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Kein Sprung, aber kleine Schritte: Katholische Kirche bewegt sich

Kein Sprung, aber kleine Schritte: Katholische Kirche bewegt sich

Die katholische Kirche bewegt sich. Sie will mehr Frauen in kirchliche Führungsjobs holen - und möglicherweise die „Pille danach“ in allen katholischen Krankenhäusern zulassen. Am Nein zum Priesteramt für Frauen ändert sich aber nichts.

Ein großer Sprung ist es nicht, den die katholischen Bischöfe auf ihrer Frühjahrsvollversammlung in Trier gemacht haben. Sie sind aber wichtige, kleine Schritte gegangen, mit denen sie ein Zeichen für die Modernisierung der katholischen Kirche in Deutschland setzen. Mehr Frauen in Führungsjobs und in Chefetagen wollen sie - dazu geben die Bischöfe eine Selbstverpflichtung ab. Außerdem werden sie sich möglicherweise bei der „Pille danach“ auf eine einheitliche Linie einigen - und sie künftig in allen katholischen Krankenhäusern für Vergewaltigungsopfer zulassen. Voraussetzung wäre, dass die „Pille danach“ nicht abtreibt, sondern eine Befruchtung verhindert.

„Einen neuen Schwung nach vorne“ erhofft sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, mit den Weichenstellungen. Dabei ist ihm klar: Die Kirche konzentriert sich auf Themen, bei denen es „Fortschritte geben kann und wir uns nach vorne bewegen können“. Dazu könnte auch die Schaffung eines neuen diakonalen Amtes für Frauen - einer „Gemeindediakonin“ - gehören. Der emeritierte Kurienkardinal Walter Kasper hat es den 66 Oberhirten bei der viertägigen Konferenz vorgeschlagen.

Eine Gemeindediakonin würde anders als ein männlicher Diakon per Segen beauftragt und nicht durch ein Weihe-Sakrament. Viele Frauen fordern schon seit längerem, in der katholischen Kirche als Diakoninnen zugelassen zu werden. Ob sie mit der vorgeschlagenen Sonderform des Diakonats zufrieden wären, bleibt abzuwarten. Bevor Männer Priester werden, kommt die Weihe zum Diakon.

Die Bischöfe machten aber auch deutlich: An manchen Themen lässt die katholische Kirche nicht rütteln, etwa an dem Priesteramt für Frauen. „Es ist für uns klar: Es kann die Priesterweihe nur für den Mann geben“, sagt Zollitsch. Die Kirche betrachte das als eine „endgültige Entscheidung“, sagt auch Kardinal Kasper. Das sei „die ungebrochene Tradition der Ostkirche wie der Westkirche“.

Und auch eine Lockerung bei den wiederverheirateten Geschiedenen scheint nicht in Sicht. Der Kölner Kardinal Joachim Meisner kritisiert, bei dem Thema gehe es immer nur darum, dass sie nicht zur Kommunion zugelassen seien. Sie hätten aber „sonst ganz viele Möglichkeiten“ in der Kirche.

Die Bischofskonferenz habe keine „wegweisenden Entscheidungen“ getroffen, kritisiert Christian Weisner von der Bewegung „Wir sind Kirche“. Dass der Anteil von Frauen in Führungspositionen aufgestockt werden solle, sei eine Selbstverständlichkeit in der heutigen Zeit. Frauen sollten aber auch zu Weiheämter zugelassen werden. Zudem sei das mögliche neue Amt der Gemeindediakonin „eine Mogelpackung“.

Die schwere Krise, in der sich die Kirche befindet, war auch bei der Bischofstagung in Trier spürbar. Etwa bei Protestaktionen eines Bündnisses für eine bessere Aufklärung des Missbrauchsskandals oder bei selbstkritischen Tönen mancher Bischöfe. „Der große Vertrauensverlust, der über uns hereingebrochen ist, kommt aus unserem eigenen Versagen als Kirche: die sexuellen Missbräuche und die Abweisung einer vergewaltigten Frau in zwei unserer katholischen Krankenhäuser“, sagt Kardinal Meisner. „Das schmerzt immer besonders, wenn das Unheil vom Inneren der Kirche nach außen geht.“