Keine Gnade für Troy Davis

Die scharfen Proteste aus aller Welt haben nicht geholfen: Der wegen Polizistenmordes verurteilte schwarze Amerikaner Troy Davis ist im US-Staat Georgia hingerichtet worden.

Jackson/Georgia. "Möge Gott Gnade mit Euch haben." Das waren die letzten Worte des 42-jährigen Troy Davis, auf der Todes-Pritsche festgeschnallt und jenen Männern zugewandt, die ihm Sekunden später den Giftcocktail spritzten. 15 Minuten dauerte Augenzeugen zufolge der Todeskampf des mutmaßlichen Polizistenmörders in der Haftanstalt von Jackson (US-Bundesstaat Georgia) am späten Mittwochabend. Vor den Toren des Gefängnisses protestierten Hunderte Menschen bis zuletzt gegen die Exekution und verwiesen auf die wahrscheinliche Unschuld des Mannes - so wie es auch Davis noch kurz vor seinem Tod selbst tat. "Ich hatte keine Schusswaffe. Es war nicht mein Fehler", betonte er. Und: "Alles, was ich fordere ist, dass ihr diesen Fall eingehender untersucht, damit ihr am Ende die Wahrheit erkennt." Um 22.53 Ortszeit starteten die als Henker eingesetzten Gefängnisaufseher die Injektionsserie von drei verschiedenen Substanzen. Um 23.08 Uhr wurde Davis, der eine Henkersmahlzeit und eine Beruhigungspille abgelehnt hatte, offiziell für tot erklärt.
Vorausgegangen war ein letzter dramatischer Akt vor dem Obersten Gerichtshof der USA in Washington. Dort hatten die Anwälte des Todeskandidaten einen Eilantrag gestellt und um Aussetzung der Exekution gebeten. Der "Supreme Court" beriet zwar über den Antrag. Doch nach knapp drei Stunden ließen dann die Richter die Hinrichtung zu.
Unter den Prominenten in aller Welt, die sich in Petitionen gegen die Hinrichtung ausgesprochen hatten, waren auch Papst Benedikt XVI. und die EU-Führung. Hintergrund: Es gab deutliche Zweifel an der Schuld des Häftlings. So hatten sieben der neun Belastungszeugen der Anklage, die 1991 gegen Davis ausgesagt hatten, mittlerweile ihre Aussagen widerrufen oder korrigiert: Die Polizei habe sie damals gedrängt, belastende Aussagen gegen den vermeintlichen "Cop-Killer" zu machen, um den Fall schnell lösen zu können.
Meinung

Perverse Justiz
Der Grad der Wahrscheinlichkeit, dass der jetzt hingerichtete mutmaßliche Polizistenmörder Troy Davis unschuldig war, lässt sich nicht prozentgenau beziffern. Doch die Zweifel, dass hier der wahre Täter den Tod durch die Giftspritze finden würde, sind in den Verfahren vor seiner Exekution stets deutlich geworden. Am Ende aber verlangte ein Justizsystem, dessen Vertreter es gerne großspurig als das beste der Welt loben, vom Verurteilten sogar die Umkehr der Beweislast: In seinen Berufungsverfahren sollte Davis stets zu 100 Prozent schlüssige Indizien dafür bringen, dass er unschuldig ist - und nicht umgekehrt. Auch diese Perversion von Gerechtigkeit trägt zu dem Fazit bei: Die USA können so lange nicht glaubhaft als globaler Anwalt von Menschenrechten auftreten, wie in einem Teil der Bundesstaaten weiter der Henker aktiv ist - genauso wie in den von Washington oft kritisierten "Schurkenstaaten" Iran, Nordkorea oder Syrien. nachrichten.red@volksfreund.de