1. Nachrichten
  2. Themen des Tages

Keine Kinder: Leere Schulen, öde Dörfer

Keine Kinder: Leere Schulen, öde Dörfer

MAINZ. (win) Geisterdörfer, ausufernde Soziallasten, das Land als Altenheim: Bevölkerungsrückgang und demographischer Wandel werden die Republik verändern. Es muss gehandelt werden, aber alle drücken sich um Entscheidungen, bemängelt der Trierer Regionalwissenschaftler Professor Harald Spehl.

Die Umbrüche werden immens sein und die ganze Gesellschaft erfassen. Rheinland-Pfalz im Jahr 2050, das bedeutet nur noch drei statt vier Millionen Landesbewohner, dafür 50 Prozent ältere Menschen, die Zahl der eh schon wenigen Kinder bis zehn Jahre schrumpft auf fast die Hälfte. Erst langsam beginnen sich Politik und Kommunen mit den Folgen zu befassen. "Wir müssen Druck aufbauen auf die Entscheider”, sagt Heinz Kolz, Geschäftsführer der Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz (Zirp). Doch das ist nicht einfach, denn erst ab 2010 beginnen die Auswirkungen, zuerst auf dem Arbeitsmarkt, spürbar zu werden. Darauf zu hoffen, dass sich damit das Arbeitslosenproblem löst, ist wegen der unterschiedlichen Anforderungen eine Milchmädchenrechnung, darin sind sich die Experten einig. Die falscheste Reaktion wäre nach Spehls Überzeugung nichts zu tun, auch wenn nirgendwo geschrieben steht, dass die Bevölkerung zunehmen muss. Über eine familienfreundliche Politik die mit 1,35 Kindern pro Frau viel zu niedrige Geburtenrate erhöhen und auf Zuwanderung setzen, lautet sein Ratschlag. Es müsse schnell gehandelt werden, um überhaupt noch etwas zu bewegen. Für mehr Nachwuchs zu sorgen, ist auch für Jörg Berres, den Präsidenten des Statistischen Landesamtes Rheinland-Pfalz der entscheidende Faktor. Die Auswirkungen des Wandels vor Ort sind ein zentrales Thema der Zirp, die in einem so genannnten Zukunftsradar 2030 Herausforderungen benennen will. Erwartet wird eine starke Wanderungsbewegung ins stadtnahe Umland, während in strukturschwachen Regionen wie der Westpfalz bereits in wenigen Jahren die Gefahr leerer Dörfer besteht. Innenstädte drohen zu veröden. Kommunen müssen ihre Infrastruktur umstellen, bei Bauvorhaben auf flexible Nutzung achten und Kooperationen suchen. Im Landkreis Bernkastel-Wittlich haben sich alle Kreisausschüsse intensiv mit den Folgen des Bevölkerungswandels in ihrem Bereich beschäftigt und beraten darüber, wie zu reagieren ist. Ein ehrgeiziges Ziel hat sich die Stadt Trier gesetzt. Sie will 2020 immer noch 100 000 Einwohner zählen. Statistiker haben dagegen einen Schwund von 10 000 vorausberechnet. Man will von einer wachsenden Uni, Zuzug aus dem Umland und gezielt von der erwarteten starken Zuwanderung in Luxemburg profitieren, so Stadtentwickler Johannes Weinand.