Keine Lust auf die Sprache des Nachbarn

Keine Lust auf die Sprache des Nachbarn

TRIER. (DiL) Trotz vielfältiger Bemühungen bleiben die Französisch-Kenntnisse in der Region Trier weit hinter dem Bedarf im Grenzraum zu Frankreich und Luxemburg zurück. Während in den Kindertagesstätten deutlich mehr von der Nachbar-Sprache vermittelt wird, stagniert an den Schulen das Interesse.

Dabei fordern Vertreter aus Politik und Wirtschaft seit Jahren eine größere Bereitschaft zum Französisch-Lernen ein, mit Blick auf die zunehmende grenzüberschreitende Bedeutung der Großregion für Arbeitsplätze und Umsätze. Zuletzt hatten die Kammern in einer gemeinsamen Erklärung im März bessere Sprachkompetenz angemahnt.In den Kindertagesstätten hat sich zuletzt einiges getan. Fast hundert Kindergärten der Region bieten im Rahmen eines von der Landesregierung aufgelegten Programms inzwischen spielerische Französisch-Lernformen an. Vor allem die Kreise Trier-Saarburg und Bitburg- Prüm marschieren voran. Die Stadt Trier bietet aus Kostengründen dagegen nur ein Minimal- Angebot.

Eine wachsende Anzahl von Grundschulen hat inzwischen auch Französisch auf dem Lehrplan, aber häufig nur für einzelne Schuljahre. "Es fehlt die Kontinuität", kritisiert der Trier-Saarburger Landrat Günter Schartz. "Wenn die Kinder nicht dauerhaft dranbleiben, ist irgendwann das Interesse weg." Nach der Grundschule wird es ohnehin schwierig. Während Gymnasien fast flächendeckend Französisch als erste Fremdsprache anbieten, ist es bei Realschulen nur eine Minderheit und bei Hauptschulen eine absolute Ausnahme. Dabei verlangen vor allem Handwerk und Handel, die nicht in erster Linie Abiturienten beschäftigen, nach besseren Französischkenntnissen. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Bernhard Kaster fordert deshalb, Französisch neben Englisch als Pflichtfach in allen weiterführenden Schulen einzuführen - auch den berufsbildenden. Das zuständige Mainzer Bildungsministerium hält sich bedeckt, kündigt aber für Kurt Becks Regierungserklärung Ende Mai eine "Weiterentwicklung des Fremdsprachenkonzepts für die Sekundarstufe 1" an.

Unterdessen nimmt die Bereitschaft von Eltern und Schülern, Französisch bei entsprechendem Angebot als erste Fremdsprache zu wählen, sogar noch ab: An den Gymnasien der Region starteten in diesem Schuljahr 14,1 Prozent (2000: 14,7), an den Realschulen nur 3,5 Prozent (2000: 4,0) mit der Nachbar-Sprache. Experten sprechen von einem "weit verbreiteten, aber unzutreffenden Vorurteil", Französisch zu lernen, falle Schülern schwer.