Keine Panik-Reaktionen

Pisa ist an allem Schuld. Wer früher als Kann-Kind eingeschult wurde, war die Ausnahme. Heute, nachdem Pisa dem deutschen Bildungssystem ein miserables Zeugnis ausgestellt hat, gilt die frühe Einschulung als Stein der Weisen.

Pisa ist an allem Schuld. Wer früher als Kann-Kind eingeschult wurde, war die Ausnahme. Heute, nachdem Pisa dem deutschen Bildungssystem ein miserables Zeugnis ausgestellt hat, gilt die frühe Einschulung als Stein der Weisen. Die Verschulung der Kinder soll immer früher beginnen und schneller zu Ende sein: Mit zwei in den Kindergarten, mit fünf in die Schule, nach dem zwölften Schuljahr Abi, mit 22 ein abgeschlossenes Studium - möglichst mit Auslandserfahrung.Und das nur, weil Pisa einigen Ländern mit früherer Einschulung bessere Noten gibt als Deutschland. Doch solange die Schule bei uns so ist wie sie ist, macht eine generelle frühe Einschulung keinen Sinn, Lehrer und Kinder wären überfordert. Das Bildungssystem als Ganzes muss reformiert werden. Die Diskussion darf sich nicht allein an wirtschaftlichen Erfordernissen orientieren: Kinder sollten möglichst schnell lernen und früh fertig sein, damit sie so bald wie möglich dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Die Bedürfnisse der Kinder bleiben dabei außer Acht. Man sollte ihnen die Zeit lassen, die sie brauchen.

Jeder, der Kinder hat, weiß, dass keins wie das andere ist. Manche sind mit fünf schon so weit wie Sechsjährige, und manchem Schulkind fehlt noch die nötige Reife.

Der rheinland-pfälzische Weg, das Einschul-Alter behutsam herunterzusetzen, das Bildungsangebot in den Kindergärten zu verstärken und gleichzeitig das Vorschuljahr beitragsfrei zu machen, ist richtig. Hau-Ruck-Aktionen und Panik-Reaktionen führen zu nichts, außer dass die Kinder, um die es gehen soll, auf der Strecke bleiben.

b.wientjes@volksfreund.de