Keine Panik!

Kein Bäcker, kein Metzger, kein Lebensmittelhändler – die Infrastruktur auf dem Dorf lässt zu wünschen übrig, das stellt die Berliner Versorgungs-Studie zweifellos richtig dar. Nur: Ins Leid muss deshalb niemand fallen.

Kein Bäcker, kein Metzger, kein Lebensmittelhändler – die Infrastruktur auf dem Dorf lässt zu wünschen übrig, das stellt die Berliner Versorgungs-Studie zweifellos richtig dar. Nur: Ins Leid muss deshalb niemand fallen. Denn warum gibt es in den meisten Dörfern keinen Laden mehr? Weil die überwiegende Mehrheit der Dorfbewohner dort nicht einkaufen möchte. Sie bevorzugen größere Läden und umfassendere Sortimente; sie fuhren lange freiwillig zum Einkaufen in die nächste Stadt, bevor der letzte Laden im Dorf mangels Rentabilität schließen musste. Die Zukunftsfähigkeit einer Gemeinde hängt nicht daran, dass es einen Lebensmittelladen vor Ort gibt. Würden sonst wohl so viele junge Leute auch heute noch in die kleinen Dörfer unserer Region ziehen? Wenn die Bewohner ihren Ort mit Leben füllen, wenn es Vereine, Gemeinschaftsleben und sozialen Zusammenhalt gibt, wenn alte Bausubstanz erhalten und die Landschaft gepflegt wird, ist ein Ort auch ohne Geschäft attraktiv. Das soll nicht heißen, dass in unseren Dörfern alles zum Besten steht. Natürlich fordert die drohende Überalterung sie noch stärker heraus als größere Orte. Zweifellos müssen sie dagegen vorgehen, dass um die Orte herum Neubaugebiete entstehen, während der alte Kern in einen Dornröschenschlaf fällt. Dass solche Probleme gelöst werden, ist entscheidender als ein Lebensmittelladen. Wer heute auf ein Dorf zieht, hat so gut wie immer ein Auto; er nimmt Defizite bei der Versorgung bewusst in Kauf, weil er andere Prioritäten setzt als diejenigen, die in die Städte abwandern. Und die alten Dorfbewohner, die nicht alleine zum Einkaufen ins nächste Zentrum kommen? Wer nicht mehr mobil ist, braucht auch in der Stadt Hilfe. Und die findet sich auf dem Land oft einfacher. i.kreutz@volksfreund.de