Keine Revolution

Mathe statt Malen, Pauken statt Pippi Langstrumpf, Lernen statt Lachen? Wer angesichts der neuen Bildungs- und Erziehungsempfehlungen für die Kindergärten Leistungsdruck schon bei Vierjährigen fürchtet, liegt wohl eher falsch. Das Konzept, an dem Kindergartenträger und Erziehungswissenschaftler mitgewirkt haben, ist keine Revolution. Vieles, was hier gefordert wird, ist an zahlreichen Kindergärten längst gang und gäbe. Kinder lernen, mit Sprache umzugehen, lernen Zahlen, machen erste Erfahrungen beim Schreiben und Lesen. Auch, dass ihnen ein Verständnis für die eigene ebenso wie für fremde Kultur und Religion beigebracht werden soll, ist beileibe nicht neu. Die Politik schreibt nur fest, was sich in der Praxis längst entwickelt hat. Dennoch ist es gut, dass es die Empfehlungen gibt. Denn sie setzen einen landesweiten Standard, ohne deshalb gleich so verbindlich und detailliert wie ein Lehrplan in die Freiheit der Erzieherinnen einzugreifen. Gleichwohl sind es gerade Kindergärtnerinnen, denen das Konzept am meisten abverlangt. Denn sie sollen künftig die Fortschritte der Kinder dokumentieren, ihre Fähigkeiten einschätzen, auf Defizite reagieren. Wer aber lehren soll, muss das auch lernen. Eine schnelle Reform der Erzieherinnen-Ausbildung ist daher dringend nötig. m.schmitz@volksfreund.de