Keine Zweifel am Kronzeugen

Nach vier Monaten ist gestern der Drogenprozess gegen ein Mitglied der Rockerbande Hells Angels und einen Mitangeklagten in Trier zu Ende gegangen. Die Urteile: fünf und zwei Jahre Haft. Ein Verteidiger kündigt Revision an.

Trier. 17 Zeugen, vier Gutachter, jede Menge Beweisanträge und ein im Gerichtssaal und via Internet ausgetragener Zoff zwischen den beiden Staatsanwälten und den Verteidigern: Es ist kein gewöhnlicher Drogenprozess, der gestern vor dem Trierer Landgericht zu Ende gegangen ist. Obwohl nicht Drogenhandel in großem Stil Gegenstand der Verhandlung war. Das, was den seit Februar laufenden Prozess ausgemacht hat, ist - neben dem Scharmützel zwischen Anklagevertretern und Rechtsanwälten - , dass einer der Angeklagten, ein 36-jähriger Luxemburger, Mitglied der berüchtigten Rockerbande Hells Angels ist. Und auch der mitangeklagte 39-Jährige aus dem Westerwald zählt zumindest zum Umfeld der Höllen-Engel. Aus diesem Grund hat der Prozess unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen stattgefunden: Einlass in den Gerichtssaal nur durch eine Sicherheitsschleuse wie am Flughafen, Personenkontrolle und jede Menge Polizisten im Gerichtssaal.
Urteil überrascht nicht


So auch gestern, als der Vorsitzende Richter Armin Hardt kurz nach elf Uhr die Urteile verkündet. Einige Mitglieder der Hells -Angels sind gekommen, um zu hören, was ihren Kameraden droht. Auch wenn der Verteidiger des Westerwälders zuvor einen Freispruch und der des Luxemburgers eine einjährige Bewährungsstrafe gefordert hat, gehen die Prozessbeobachter davon aus, dass die Angeklagten zu Haftstrafen verurteilt werden. Fünf Jahre Haft für den Luxemburger und zwei Jahre für den Westerwälder lautet dann auch das wenig überraschende Urteil. Das Gericht bleibt damit knapp unter den Forderungen der Staatsanwaltschaft, die auf sechs Jahre sowie zwei Jahre und zehn Monate plädiert hat. Anders als die Verteidiger hat das Gericht keinen Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Hauptbelastungszeugen. Der bereits verurteilte Drogendealer aus der Eifel, der mit seinen Aussagen bereits mehrere Drogenprozesse in Gang gebracht hat, hatte den Luxemburger und den Westerwälder im Gefängnis im rheinhessischen Diez kennengelernt, wo die beiden wegen Drogenhandels eingesessen haben. Anfang 2008 soll es dort bereits zu ersten Drogengeschäften mit dem 36-Jährigen gekommen sein. Diese sollen nach der Haft unter anderem bei einem Motorradtreffen in Sirzenich (Trier-Saarburg) fortgesetzt worden sein. Es gebe keinen Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Kronzeugen, sagt Hardt.
Direkt nach der Urteilsverkündung teilt der Verteidiger des Luxemburgers mit, dass er in Revision geht. Die Staatsanwaltschaft und der Verteidiger des 39-Jährigen lassen dies zunächst offen.