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Kernfrage bleibt unbeantwortet: Genaue Hintergründe des Todes von Tanja Gräff werden möglicherweise nie geklärt

Kernfrage bleibt unbeantwortet: Genaue Hintergründe des Todes von Tanja Gräff werden möglicherweise nie geklärt

Kaum ein Thema hat die Region so bewegt wie der Fall der 2007 verschwundenen und erst acht Jahre später tot aufgefundenen Trierer Studentin Tanja Gräff. Noch haben die Ermittler den Fall nicht zu den Akten gelegt. Doch es sieht so aus, als würden die Hintergründe des Todes der jungen Frau wohl nie ganz aufgeklärt werden.

Trier. Vielleicht gegen Ende des Jahres, womöglich aber auch erst Anfang des nächsten Jahres wird Triers Leitender Oberstaatsanwalt Peter Fritzen im Fall Tanja Gräff abermals zu einer Pressekonferenz einladen. Dann wird der Chef-Ermittler sagen, dass man alles Menschenmögliche unternommen habe, um herauszufinden, was in der Nacht von Tanjas Verschwinden geschehen sei. Und dass man inzwischen einige Fragen beantworten könne, für die es zunächst keine Antworten gegeben habe.

Aber die Kernfrage - Fiel Tanja Gräff einem Verbrechen zum Opfer oder war ihr Sturz von den roten Felsen ein Unglück? - werden die Trierer Ermittler auch in einigen Monaten aller Voraussicht nach nicht beantworten können. Das sieht inzwischen auch Rechtsanwalt Detlef Böhm so, der die Interessen von Tanjas Mutter vertritt. "Es könnte sein, dass es ein Fall in der Rechtsgeschichte wird, der nicht geklärt wird", sagte der Jurist unlängst in einem Interview. Böhm und Tanja Gräffs Mutter können derzeit die Ermittlungsergebnisse studieren und eine Stellungnahme dazu abgeben. Wegen des laut Fritzen "außergewöhnlichen Aktenumfangs" haben sie dazu einige Monate Zeit. Erst danach will der Chef-Ermittler entscheiden, wie es weitergeht.

Denkbar wäre, dass Frau Gräff und ihr Anwalt Punkte finden, die ihrer Einschätzung nach noch nicht ausermittelt sind. Doch die Chance dafür schätzte selbst Jurist Böhm in einem mehrere Wochen zurückliegenden Interview mit der Deutschen Presseagentur als "sehr klein" ein. Wenn sich am Ende herausstelle, dass ausermittelt sei, dann müsse man damit leben können.Keine heiße Spur

Immerhin: Seit Tanja Gräffs sterbliche Überreste Anfang Mai vergangenen Jahres bei Rodungsarbeiten am Fuß der roten Felsen im Trierer Stadtteil Pallien durch Zufall entdeckt worden waren, gingen mehrere Dutzend neue Hinweise ein. Eine heiße Spur war aber nicht darunter.
Die erst jetzt öffentlich bekannt gewordene Information, dass in der Nacht von Tanjas Verschwinden ein weiterer junger Mensch an den roten Felsen abgestürzt ist, ist den Ermittlern schon lange bekannt. Der Vater des jungen Mannes hatte einige Tage nach dem Vorfall die Sonderkommission darüber informiert. Da nach dem Absturz und Tanjas letztem Handytelefonat über drei Stunden vergangen waren, spielte der Hinweis für die Ermittler nur eine untergeordnete Rolle, wie sich ein Soko-Mitglied gestern im Gespräch mit unserer Zeitung erinnerte.

Als im vergangenen Jahr die sterblichen Überreste Tanjas nur etwa einen Kilometer von der Absturzstelle des jungen Mannes entfernt gefunden wurden, schauten sich die Ermittler aber auch diesen Hinweis erneut an. Ohne dass sich an der abschließenden Bewertung etwas geändert hätte. Kein Zusammenhang mit dem Verschwinden von Tanja Gräff, so Triers Leitender Oberstaatsanwalt Peter Fritzen. Es lägen auch keine Erkenntnisse vor, "dass der Mann seinerzeit in Beziehung zu Tanja Gräff stand".
Dass Menschen an den roten Felsen versehentlich abrutschen, wie der junge Mann in jener Nacht, kommt immer mal wieder vor. Der Mann erlitt damals schwere Kopfverletzungen, lag einige Zeit im Koma, ist nach Angaben aus Ermittlerkreisen aber längst wieder wohlauf.Wurde Tanja erstickt?

Für Tanja Gräff endete der Sturz einige Stunden später dagegen tödlich. Der Mainzer Rechtsmediziner Reinhard Urban geht davon aus, dass die 21-jährige Studentin an den Folgen des Sturzes gestorben ist. Urban fand bei der Untersuchung des Skeletts und der Kleidung keinerlei Anzeichen dafür, dass die junge Frau einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Aber er konnte auch nicht ausschließen, dass Tanja damals in den Tod gestoßen wurde. "Sie könnte auch erstickt worden sein", meinte der Anwalt von Tanjas Mutter kürzlich in einem Interview.
Die Wahrscheinlichkeit, dass dies nie zweifelsfrei geklärt werden wird, ist hoch. Auch wenn sich Triers Leitender Oberstaatsanwalt Peter Fritzen noch etwas Zeit lassen wird bekanntzugeben, dass die Ermittlungen eingestellt würden.

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