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Kernkraftwerk Cattenom: 40 Jahre und noch länger

Kernkraftwerk Cattenom: 40 Jahre und noch länger

Das Kernkraftwerk Cattenom wird trotz seiner vielen Pannen noch lange Zeit Strom produzieren. Der Kraftwerksdirektor dämpft die Hoffnungen auf eine Abschaltung. Er spricht gar von einer Laufzeit von bis zu 60 Jahren.

Cattenom. Das Atomkraftwerk Cattenom ist sicher - davon jedenfalls ist der Direktor der 29 Jahre alten Anlage, Guy Catrix, überzeugt. Und zwar so sehr, dass er davon spricht, dass das in Deutschland und Luxemburg als Pannenkraftwerk verschriene Kraftwerk noch weitere Jahre am Netz bleiben soll.
Als Beleg für die Sicherheit führt Catrix ausgerechnet die 34 offiziell gemeldeten Zwischenfälle im vorigen Jahr an. Nur einer davon sei auf der internationalen achtstufigen Skala (von null bis sieben) für Zwischenfälle in Atomanlagen als Anomalie der Stufe eins eingestuft worden, alle anderen als Zwischenfall der Stufe null (was offiziell als Ereignis ohne oder mit geringer sicherheitstechnischer Bedeutung gilt). Bei keinem dieser Zwischenfälle habe eine Gefahr für die Sicherheit der Anlage bestanden, sagte Catrix bei der Vorstellung der Jahresbilanz der Anlage. Für ihn eben der Beweis, dass die Sicherheitsvorkehrungen funktionieren. Immerhin 13 dieser Zwischenfälle hatten laut Jahresbericht Auswirkungen auf die Umwelt. So sind am 31. Juli zehn Kubikmeter eines Desinfektionsmittels aus dem Kühlkreislauf in eine Betongrube ausgelaufen.
Catrix dämpft die Hoffnungen der Gegner des Kernkraftwerks an der lothringischen Mosel, dass das KKW auf absehbare Zeit doch noch abgeschaltet wird. Man habe ihn nicht darum gebeten, die Schließung Cattenoms vorzubereiten, sagte er bei der Vorstellung der Bilanz.
Erst vorige Woche hatte sich der französische Präsident François Hollande bei seinem Staatsbesuch in Luxemburg nicht festgelegt, Cattenom vom Netz nehmen zu wollen - anders als das ältere Kernkraftwerk Fessenheim im Elsass. Fessenheim soll laut Hollande bis 2017 abgeschaltet werden. Luxemburg fordert zusammen mit Rheinland-Pfalz und dem Saarland seit langem das Aus für Cattenom. Die rheinland-pfälzische Energieministerin Eveline Lemke (Grüne) sieht darin ein Sicherheitsrisiko.
Vor allem die sich häufenden automatischen Abschaltungen von Reaktorblöcken, wie erst vorige Woche, beunruhigen die Gegner. Doch die Warnungen verhallen in Frankreich. In den nächsten zehn Jahren soll weiter in die Instandsetzung der Anlage investiert werden. Vor allem sollen die Erdbebensicherheit und der Hochwasserschutz erhöht werden. Es werde eine Laufzeit von über 40 Jahren angesteuert, um den künftigen Energiebedarf Frankreichs zu decken, heißt es in der Jahresbilanz. 2016 steht die sogenannte Zehnjahresrevision im ersten der vier Reaktorblöcke an. Dafür wird dieser planmäßig von Mai bis September abgeschaltet. Je nach dem Verlauf dieser Überprüfung und der Wartungsarbeiten könnte Cattenom sogar insgesamt bis zu 60 Jahre am Netz bleiben, sagte Catrix.
Im vergangenen Jahr wurden 68 Millionen Euro in den Erhalt der Anlage investiert. Cattenom hat eine zentrale Bedeutung für die Stromproduktion in Frankreich. Mit 36,1 Gigawattstunden produziertem Strom hat das lothringische Kraftwerk 6,6 Prozent des Strombedarfs in Frankreich gedeckt.