Kirche kontra Islam-Union

TRIER/WITTLICH. (ik/alf) Auch Religions-Vertreter beurteilen die Diskussion um einen EU-Beitritt der Türkei unterschiedlich. Während Bischof Reinhard Marx das Land wegen Menschenrechts-Verletzungen für nicht beitrittsfähig hält, glaubt der Chef der Türkisch-Islamischen Union in Wittlich, Yilmaz Yildiz, dass die Türkei als EU-Mitglied ein gutes Bindeglied zu islamischen Ländern wäre.

Der Trierer Bischof Reinhard Marx beurteilt die mögliche Aufnahme der Türkei in die EU "zurückhaltend". Allerdings nicht, weil die Türkei kein christliches Land sei. "Wer sagt: Die Türkei kann nicht beitreten, weil sie islamisch ist, diskutiert darüber, ob der Islam prinzipiell demokratie- und menschenrechtsfähig ist", sagt Marx dem TV . "Wenn der Islam nicht europafähig wäre, was ist dann mit den Muslimen, die bei uns leben?" Grund für seine Bedenken sei vielmehr, dass in der Türkei die Menschenrechte nicht geachtet würden. "Christen sind dort Bürger zweiter Klasse, es gibt keine wirkliche Religionsfreiheit. Solange sich das nicht ändert, ist die Türkei nicht beitrittsfähig." Yilmaz Yildiz, Vorsitzender der Türkisch-Islamischen Union in Wittlich, glaubt, dass sowohl die Türkei als auch Europa von einem Beitritt profitieren würden. "Die Türkei ist nicht mit einem islamischen Land wie dem Iran zu vergleichen", sagt Yildiz, der seit 30 Jahren in Deutschland lebt. Ministerpräsident Erdogan habe das Militär entmachtet und fahre einen Kurs pro Europa. "Die meisten Türken erwarten von einem Beitritt mehr Investitionen und auch mehr Arbeitsplätze", berichtet der Wittlicher. "Ich glaube, dass die Türkei künftig verstärkt als Vermittler zwischen der EU und islamischen Ländern dazu beitragen kann, den Terror einzudämmen."

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