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Kirchengemeinden bald ohne eigene Kindergärten

Kirchengemeinden bald ohne eigene Kindergärten

Im Bistum Trier gibt es noch etliche Kirchengemeinden, die einen eigenen Kindergarten betreiben. Ein Auslaufmodell. In spätestens sechs Jahren sollen auch die letzten Einrichtungen in eine gemeinnützige Kita GmbH überführt sein.

Trier. In Kell am See (Kreis Trier-Saarburg) wird der Kindergarten St. Michael demnächst auf Vordermann gebracht. Rund 260 000 Euro soll es kosten, den in die Jahre gekommenen katholischen Kindergarten auf den neuesten Stand zu bringen. Sind die Arbeiten erledigt, wird sich die Kirchengemeinde aus der Bauträgerschaft verabschieden. Ihren Part übernimmt dann die Ortsgemeinde. "Die Kirchengemeinde hat hier in Kell vier Immobilien, die wir unterhalten müssen", meinte Anfang des Jahres Pastor Thomas Linartz, "das können wir uns finanziell gar nicht mehr leisten."
Die sogenannte Betriebsträgerschaft ist die örtliche Kirchengemeinde schon länger los. Um sie kümmert sich eine beim Bistum angesiedelte gemeinnützige Kita GmbH. Drei dieser Gesellschaften gibt es: die eine ist für die Region Trier zuständig, die zweite fürs Saarland und die dritte für den Koblenzer Beritt. Die Kita GmbH kümmern sich etwa um den Personaleinsatz in den Kindergärten oder um die Qualifizierung von Mitarbeitern. Letztlich entlasten sie aber auch die Verwaltungsräte und den Pfarrer vor Ort, die sich in der Vergangenheit um "ihren" Kindergarten gekümmert haben.
Dabei gibt es im Bistum immer weniger Kindergärten, die noch in Trägerschaft einer Kirchengemeinde sind. In der Region Trier sind es gerade einmal noch 37 Einrichtungen, während 103 schon in der Trierer Kita GmbH aufgegangen sind. Die übrigen werden bald folgen. Nach dem Willen der Bistumsverantwortlichen sollen bis zum 1. Januar 2017 alle katholischen Kindergärten in der Region Trier und dem Saarland einer Kita GmbH angehören. Nur der Koblenzer Raum bekommt noch etwas mehr Zeit, weil es dort auch mehr Kindertageseinrichtungen gibt.
Dass sich eine Kirchengemeinde widersetzt, ist eher unrealistisch. Denn die Zuschüsse des Bistums fließen nach Ablauf der Übergangsfrist nur noch an Einrichtungen der gemeinnützigen Kita-Gesellschaften. Für das Personal ändert sich nach Angaben des Generalvikars nichts. "Die Vergütung der Erzieherinnen und Erzieher erfolgt weiter nach dem Kirchentarif", sagt Georg Holkenbrink.
Während das Bistum den Kirchengemeinden bei der Betriebsträgerschaft keine Wahl lässt, können die Gemeinden die Bauträgerschaft ruhig behalten. Das Generalvikariat bietet an, die Kirchengemeinden im Gegenzug bei geplanten Baumaßnahmen oder Finanzplanungen zu unterstützen, indem sie die Geschäftsführung für eine Immobilie an eine zentrale Rechnungsstelle (Rendantur) abgeben.
In Kell am See hat sich diese Frage erledigt. Dort und auch in einer Nachbargemeinde werden die Gebäude von den Ortsgemeinden übernommen.Extra

Die katholische Kirche betreibt im Bistum Trier jede zweite Kindertageseinrichtung. Von den 531 katholischen Kindergärten liegen 138 im sogenannten Visitationsbezirk Trier, der deckungsgleich ist mit dem ehemaligen Regierungsbezirk. Die meisten katholischen Kindergärten gibt es im Kreis Trier-Saarburg (45), gefolgt von der Stadt (32), den Kreisen Bitburg-Prüm und Bernkastel-Wittlich (jeweils 26) und dem Vulkaneifelkreis (9). In den 514 Kindergartengruppen in der Region Trier werden rund 12 000 Kinder betreut. Knapp die Hälfte der katholischen Kindergartenplätze sind Ganztagesplätze. sey