Kirchenmusiker büßt wegen Kinderpornos

Kirchenmusiker büßt wegen Kinderpornos

Das Amtsgericht hat einen Trie rer Chorleiter und Komponisten zu einer dreieinhalbjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Bei dem vorbestraften 38-Jährigen waren mehr als 20 000 Kinderpornos sichergestellt worden.

Trier. Es sind Prozesse wie der gestrige vor dem Schöffengericht, die ein Vorsitzender Richter und auch die Staatsanwaltschaft mögen: Der Angeklagte legt ein umfassendes Geständnis ab, auf Zeugen kann daher verzichtet werden, und nach spätestens einer Stunde ist alles vorüber - Urteil inklusive. Was hätte es auch im Fall des wegen Besitzes von Kinderpornografie angeklagten Trierer Kirchenmusikers gebracht zu leugnen? In seiner Wohnung hatten Fahnder vor rund eineinhalb Jahren mehrere Datenträger gefunden, auf denen Tausende Fotos abgespeichert sind, die zeigen, wie minderjährige Kinder sexuell missbraucht werden. "Ekelerregende, abstoßende, perverse Bilder", sagt der Vorsitzende Richter Helmut Reusch.

Bei wem derartige Fotos entdeckt werden, der riskiert bis zu zwei Jahren Gefängnis. Verbreitet er die Kinderpornos weiter, sind es gleich ein paar Jahre mehr.

Der Trierer Dirigent räumt gleich zu Beginn des Prozesses ein, die Bilder besessen zu haben. "Es ist sehr, sehr schändlich, etwas Derartiges zu besitzen", sagt er später in der Verhandlung, "man macht sich ja als Konsument keine Gedanken, wie die Fotos entstanden sind."

Ein Satz, den der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung aufgreift: "Solange es der Markt fordert, werden solche Bilder gemacht. Die Konsumenten sind mitschuldig am Missbrauch."

Der studierte Kirchenmusiker hat in der Vergangenheit aber nicht nur Fotos geguckt. Schon zwei Mal wurde der gebürtige Nordrhein-Westfale selbst wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt; zuletzt im November 2008 zu einer zweieinhalbjährigen Haftstrafe.

"Ich habe die Problematik, dass ich Personen männlichen Geschlechts ab zwölf Jahren für mich interessant finde", sagt der Angeklagte etwas zu schwülstig. "Er ist ein Pädophiler", würden es wohl Experten auf den Punkt bringen. Der 38-Jährige macht seit einiger Zeit in Haft eine Therapie, "man kann mir dort helfen", gibt er sich optimistisch.

"In der Region Trier kriegt er jedenfalls kein Bein mehr auf den Boden", sagt ein ehemaliger Sängerkollege des Angeklagten nach dem Prozess. Er und viele seiner Kollegen wurden von den Vorwürfen gegen den "begnadeten Musiker und Orgelspieler" völlig überrascht. In Dutzenden Chören schwang der Trierer schon den Taktstock; zeitweise war er parallel bei acht Gesangsvereinen Dirigent; und Vorstandsmitglied im örtlichen Sängerkreis.

"Er ist ein hervorragender Musiker, aber leider mit Nebenwirkungen", sagt sein Verteidiger Günther Hoffmann. Das dreiköpfige Gericht folgt am Ende dem Antrag von Staatsanwältin Elke Schmitten: Der Musiker wird wegen der Kinderpornos zu 22 Monaten Haft verurteilt, die mit dem älteren Missbrauchsurteil eine dreieinhalbjährige Gesamtstrafe ergeben.

Weil er schon knapp zwei Jahre "sitzt", wird der Musiker mit etwas Glück Ende des Jahres auf Bewährung entlassen.