Klassen-Krampf

Franz Müntefering lehnt sich in seiner Kapitalismus-Kritik immer weiter aus dem Fenster. Kein Wunder, stieß doch seine These, die wachsende Macht des Kapitals sei eine Gefahr für die Demokratie, nicht nur bei "Klassen-Freunden" von SPD und Gewerkschaften auf offene Ohren, sondern auch in Teilen der Bürgerlichen Mitte.

Franz Müntefering lehnt sich in seiner Kapitalismus-Kritik immer weiter aus dem Fenster. Kein Wunder, stieß doch seine These, die wachsende Macht des Kapitals sei eine Gefahr für die Demokratie, nicht nur bei "Klassen-Freunden" von SPD und Gewerkschaften auf offene Ohren, sondern auch in Teilen der Bürgerlichen Mitte. Finanzinvestoren, meint "Münte", fielen wie Heuschreckenschwärme über die Unternehmen her.Dabei trug selbst der Bundeskanzler dazu bei, dass jener Zustand, den Müntefering mit einer biblischen Plage vergleicht, erst eintreten konnte. Schröder war es, der nach dem Unternehmer-Freund Helmut Kohl den Schmusekurs zwischen politischer Führung und der Wirtschaft fortsetzte. Der "Auto-Kanzler" ebnete 1999 im Schröder/Blair-Papier den Weg, indem er zusammen mit dem britischen Regierungschef eine Stärkung der Unternehmen forderte. Eine konstruktive Debatte um die Glaubwürdigkeit der Industrie ist in Deutschland überfällig. Auf der einen Seite erwirtschaftet sie Milliardengewinne, auf der anderen Seite werden Leute entlassen und Löhne gekürzt. Keine Frage: Die Wirtschaft muss sich wieder ihrer sozialen und gesellschaftlichen Verantwortung bewusst werden, aber die von Müntefering angestoßene Diskussion hat wenig Chancen, zu einem Konsens beizutragen. Im Gegenteil: Die Klassenkampf-Parolen, mit denen sich die schwächelnde SPD noch vor der Bundestagswahl aus dem Sumpf ziehen will, schrecken ausländische Investoren ab und vermitteln der Welt ein reaktionäres Bild von Deutschland. Diskussion ja, aber bitte sachlich und konstuktiv. a.follmann@volksfreund.de