Kleine Sieger mit großer Freude

Kleine Sieger mit großer Freude

BERLIN. Drei durften sich freuen, einer musste schönreden: Wie die Parteien in Berlin auf das saarländische Wahlergebnis reagierten.

Der Auftritt von Klaus Uwe Benneter dauert keine zehn Minuten. Ja, sagt der SPD-Generalsekretär, das sei eine "herbe Niederlage", da gebe es "nichts zu beschönigen". Und dann redet er noch beinah verschämt von der "Großwetterlage" (also der Bundespolitik), die den Genossen an der Saar Probleme bereitet habe, und dass der "Rückenwind" nicht so wirke, wie man sich das vorstelle. Benneter spricht tatsächlich von Rückenwind und meint damit die positiven Ausläufer der Gesundheitsreform. Aber wen interessiert das schon an diesem frühen Abend im Berliner Willy-Brandt-Haus. Die Sozialdemokraten haben das schlechteste Landtagswahlergebnis seit vier Jahrzehnten eingefahren. Nur im Jahr 1960 war es mit 30 Prozent noch schlimmer. Wohl in Vorahnung des Debakels verliert sich nur ein knappes Dutzend Parteigänger im stattlichen Atrium der Parteizentrale. Die Journalisten sind weitgehend unter sich. Es gibt saarländische Spezialitäten wie Bratwurstkränzl und Kirschauflauf. Aber bei den Genossen hält sich der Appetit in Grenzen. Als sich im Fernsehen die erste Prognose-Säule für die SPD einen Hauch über die 30-Prozent-Marke quält, reagiert der bayerische Bundestagsabgeordnete Hartmut Büttner mit Galgenhumor: Das könne ihn nicht umhauen, das sei er aus seiner Heimat gewohnt. Am Tisch nebenan weiß der Juso-Vorsitzende Björn Böhning dem Ergebnis auch positive Seiten abzuringen. Wenigstens liege man an der Saar "deutlich über dem Bundestrend". Und angesichts "der Nackenschläge durch Oskar Lafontaine ist das durchaus ein Resultat, was nicht hätte größer ausfallen können". Der "Napoleon von der Saar" und notorische SPD-Rebell, der zuletzt mit einer eigenen Linkspartei liebäugelte, muss auch bei Klaus Uwe Benneter als Sündenbock herhalten. "Das war sicher nicht hilfreich", sagt der Generalsekretär.Traumziel knapp verfehlt

Auch das Konrad-Adenauer-Haus ist an diesem Wahlsonntag nicht sonderlich besucht. Dabei hätten die Parteigänger der CDU allen Grund dazu. Sicher, sein Traumziel, die 49,1 Prozent aus den 70er Jahren zu überbieten, hat der strahlende Saar-Ministerpräsident Peter Müller verfehlt. Aber es bleibt bei der absoluten Mehrheit. Und darauf kommt es an. Das sei ein "sensationeller Erfolg", schwärmt CDU-Chefin Angela Merkel. Laurenz Meyer, der Generalsekretär, weiß den wenigen versammelten Mitgliedern der "Jungen Union" von einem "wirklich tollen Ergebnis" zu berichten, bei dem die SPD die "Quittung" für ihre Unentschlossenheit erhalten habe, "Politik für das Land oder die Ideologen zu machen". Die kleine FDP ist an diesem Wahlabend der große Gewinner. Nach zwei erfolglosen Anläufen in den Jahren 1994 und 1999 sind die Liberalen wieder im saarländischen Landtag vertreten. Und offenbar hat man in der Berliner Bundeszentrale nicht so recht daran geglaubt. Denn auch hier ist die Kulisse der Parteigänger recht dürftig. Sei's drum. FDP-Chef Guido Westerwelle dürfte ein Stein vom Herzen gefallen sein. Innerparteilich gibt es immer wieder Zweifel an seinen Führungsqualitäten. Die dürften nun erst einmal verstummen. Das Saarland sei "die Bestätigung eines Trends für die FDP bundesweit", analysiert Westerwelle. Das Ergebnis nennt er "einen Fingerzeig dafür, dass die Bundesregierung kein Vertrauen in die Bevölkerung mehr hat". Was die Grünen angeht, da ist Westerwelles Einschätzung freilich fehl am Platze. Nach der parlamentarischen Abstinenz seit 1999 ziehen die Ökos wieder in den Landtag ein. Damit bringe man "Farbe ins Zwei-Parteien-Parlament" des Saarlandes, sagt Grünen-Chefin Angelika Beer. Jetzt sei sie zuversichtlich, dass die Grünen auch bei der Landtagswahl in Brandenburg in zwei Wochen über die Fünf-Prozent-Hürde kämen. Übrigens hofft SPD-"General" Benneter ebenfalls, dass sich bei den nächsten Wahlen "der Wind dreht". In Sachsen, das am 19. September gemeinsam mit Brandenburg wählt, kann es jedenfalls kaum noch schlimmer kommen. Bei den Wahlen vor vier Jahren lag die SPD bei 10,7 Prozent.