Klöckner punktet in der Billen-Bastion

Klöckner punktet in der Billen-Bastion

Der Ende Oktober vereinbarte Burgfrieden hält: Die CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner hat beim Neujahrsempfang der Bitburg-Prümer CDU gepunktet. Zwar haben sich Klöckner und Kreisvorsitzender Michael Billen immer noch nicht lieb, aber sie zanken auch nicht mehr vor Publikum. Das freut die Basis.

Bitburg. Eine Dreiviertelstunde vor Beginn des Neujahrsempfangs sitzt Michael Billen allein an einem Ecktisch im Thekenraum des Hotels Eifelbräu und macht sich letzte Notizen. Nervös? "Keine Spur", sagt der christdemokratische Platzhirsch schmunzelnd und nippt an seinem Sprudel. Warum sollte er auch nervös sein? Der Neujahrsempfang der Bitburg-Prümer CDU ist für den seit 18 Jahren amtierenden Vorsitzenden ein Heimspiel. Mögen die Parteifreunde im Rest des Landes auch kopfschüttelnd Richtung Eifelkreis schauen.

Zumindest in und um die Bierstadt Bitburg herum steht die CDU noch mehrheitlich treu zu ihrem Landtagsabgeordneten, den seine Mainzer Fraktionsfreunde wegen der Polizeidaten-Affäre in die letzte Reihe des Parlaments verbannt haben.

Während sich Billen letzte Notizen macht, strömen ein paar Meter entfernt immer mehr Menschen in den Saal. Mehr als 600 werden es schließlich sein, die sich "das Schauspiel nicht entgehen lassen" wollen, wie es ein altgedienter CDUler formuliert. Die Parteivorsitzende Julia Klöckner hat sich angesagt, was in Wahlkampfzeiten eigentlich nichts Besonderes ist. Das gewisse Etwas aber bekommt Klöckners Auftritt dadurch, dass jeder im Saal weiß, dass sich die 38-jährige Hoffnungsträgerin und der 55-jährige Haudegen nicht besonders mögen, was noch freundlich formuliert ist.

Vor sieben Monaten hat Klöckner den Fehler gemacht, das auch öffentlich zu sagen. Nicht in Mainz, wo ihr die Parteifreunde anschließend anerkennend auf die Schulter geklopft hätten, sondern in der Billen-Bastion Bitburg - beim Nominierungsparteitag des CDU-Direktkandidaten. Billen gewann damals klar gegen seine innerparteiliche Herausforderin Mathilde Weinandy; und mit der Prümer Stadtbürgermeisterin verlor auch deren Fürsprecherin Julia Klöckner - vor allem Sympathien. Die will die Herausforderin von SPD-Ministerpräsident Kurt Beck an diesem späten Sonntagvormittag im übervollen Eifelbräusaal unbedingt zurückgewinnen. Was heißt, sie will? Sie muss sie zurückgewinnen.

Die rheinland-pfälzische CDU ist nach den jüngsten Meinungsumfragen gleichauf mit der langzeitregierenden SPD; am 27. März kommt es daher womöglich auf jede Stimme an. Für Julia Klöckner vor allem auf jede Zweitstimme. Sie kann nicht Gefahr laufen, dass im traditionell konservativen Eifelkreis Bitburg-Prüm treue CDU-Wähler zwar Michael Billen die Erststimme geben, nicht jedoch der Partei die Zweitstimme.

Die scheidende Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeslandwirtschaftsministerium wird mit artigem Applaus begrüßt und fast schon überschwänglich gefeiert, als sie nach 40 Minuten ihre Rede beendet hat. Die bestand inhaltlich größtenteils aus Attacken gegen die affärenbehaftetete Landesregierung und "Klöckner-Garantien" - ein Begriff, den sie geschickt immer wieder verwendet - für die Zeit nach der Wahl.

Wer genau zuhört, dem fällt auf, dass die CDU-Spitzenkandidatin den Namen Michael Billen in ihrer Rede nicht einmal in den Mund nimmt. Als eine Journalistin sie später bittet, den Satz "Michael Billen finde ich " zu ergänzen, sagt Klöckner " in Bitburg", während der Eifeler Billen umgekehrt sagt, er finde Julia Klöckner gut.

Möglich, dass der für seine klaren Worte bekannte Kaschenbacher für diese Notlüge anschließend in einem Stoßgebet um Verzeihung gebeten hat. Aber klar ist nach dem gut anderthalbstündigen Neujahrsempfang auch: Die beiden so unterschiedlichen Charaktere werden in diesem Leben zwar keine Freunde mehr, aber Julia Klöckner und Michael Billen haben sich arrangiert, um die Wahlchancen der rheinland-pfälzischen CDU nicht zu schmälern. Das ist nicht wenig in einer Landespartei, die über zwei Jahrzehnte mehr mit sich selbst beschäftigt war als mit dem politischen Gegner.

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