Kohl zieht noch immer

In den Sitzungswochen des Bundestages erläutern die Parlamentarischen Geschäftsführer der geneigten Hauptstadtpresse regelmäßig die anstehenden Plenarthemen. Olaf Scholz , der das Mediengeschäft für die SPD besorgt, ist dabei öfter zum Scherz aufgelegt.

"Der Donnerstag endet mit Wahlen", belehrte er in dieser Woche die Pressemeute scheinbar bedeutungsschwer. Wahlen? Will jemand zurücktreten? Haben wir etwas verpasst? So fragten sich prompt die Kollegen. Doch beim Blick in die schriftliche Tagesordnung löste sich alle Besorgnis in Wohlgefallen auf. Letztes Thema war das Änderungsgesetz des internationalen Abkommens "zur Erhaltung der Kleinwale". d Auch CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer ist um einen flotten Spruch selten verlegen. Das Deutsche Patent- und Markenamt hat eine Bemerkung Ramsauers jetzt sogar als schützenswertes Gut eingestuft. "Die Landschaft ist ein Geschenk des Himmels, der Rest ist harte Arbeit" - diesen Satz fand man im Amt so toll, dass er dort unter der Nummer 30467583 eingetragen ist. Herzlichen Glückwunsch, Herr Ramsauer! d FDP-Chef Guido Westerwelle macht aus seiner Homosexualität bekanntlich keinen Hehl. Doch auch heterosexuelle Politiker sind der Schwulenszene ein Begriff. Bundesarbeitsminister Franz Münterfering soll jetzt mit der "Kompassnadel" des Schwulen- Netzwerks in Nordrhein-Westfalen geehrt werden. Der Vizekanzler habe sich als Mann der ersten Stunde für eine aktive Minderheitenpolitik zugunsten von Homosexuellen eingesetzt, hieß es zur Begründung. Tatsächlich wurde der SPD-Politiker auch schon beim Kölner "Christopher Street Day" gesichtet. Ein Grund ist das offene Bekenntnis zu seiner lesbischen Tochter: "Das Wichtigste ist, sorge dafür, dass du glücklich bist", lautet Münteferings Devise. Recht hat der Mann. d Helmut Kohl ist zwar längst im politischen Ruhestand. Aber eine Zugnummer bleibt der Altbundeskanzler trotzdem. Als sich der Pfälzer zum Neujahrsempfang der Brandenburgischen CDU in Potsdam angesagt hatte, wollten mehr als 2000 Basismitglieder daran teilhaben. Der Saal fasste allerdings nur rund 700 Personen. Auch ein zusätzlich aufgebautes Zelt konnte die Massen kaum bewältigen. Kohls "Mädchen", die amtierende Kanzlerin Angela Merkel , hat da noch großen Nachholbedarf. Als sie im Sommer 2005 ihren Wahlkampfauftritt in der märkischen Landeshauptstadt hatte, waren nur etwa 1000 Interessierte erschienen. d Schon seit geraumer Zeit hat Joschka Fischer dem asketischen Lebensstil entsagt. Auf der jüngsten Grünen-Klausur in Wörlitz wurde der einstige Superstar beim Leeren einer guten Flasche Bordeaux beobachtet. "Ich kann mich noch erinnern, wie du hier nur mit Wasser herumgesessen und schlechte Laune verbreitet hast", stichelte Fraktionschef Fritz Kuhn. "Ich auch", gab Ex-Außenminister Fischer entspannt zurück.Stefan Vetter