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Warum nicht gleich? Warum wurden Patienten, die ohnehin schon mit der Gesundheitsreform überfordert sind, fast einen Monat im Unklaren gelassen? Die Einigung in Sachen chronisch Kranker und Fahrtkosten war überfällig und sie hätte zum Start der Reform längst beschlossen sein müssen.

Stattdessen haben sich Ärzte, Kassen und die Gesundheitsministerin gegenseitig den Schwarzen Peter zugespielt, während die Patienten verunsichert waren und viele nicht mehr wussten wie sie die Kosten für Arzt, Apotheke und notwendige Behandlung aufbringen sollten. So kann man einfach nicht mit Kranken umgehen. Schon frühzeitig wurde auf die Knackpunkte hingewiesen, darauf, dass schwer Kranke und Behinderte deutlich benachteiligt werden. Doch niemand interessierte sich dafür. Mal abwarten wie groß der Aufschrei werden wird, schien das Motto aller Beteiligten. Erst als der Protest immer lauter wurde, hat man endlich reagiert und zumindest Mal zwei Lücken in dem Flickwerk geschlossen. Es gibt allerdings noch mehr Löcher, die gestopft werden müssen, bevor man von einer halbwegs nachvollziehbaren Reform sprechen kann. Auch wenn sich nun alle Beteiligten wieder auf die Schulter klopfen, bleibt ein fader Beigeschmack. Denn die Kassen haben dank der Einigung wieder einen Grund, ihre Beiträge - entgegen der Versprechen der Gesundheitsministerin - nicht zu senken. Schließlich, so die fadenscheinige Begründung, müssten sie nun mehr für chronisch Kranke und Fahrten zum Arzt ausgeben als eigentlich vorgesehen war. Und der Gekniffene ist mal wieder der Kranke, der auf der einen Seite durch weniger Zuzahlungen entlastet werden soll, und dem auf der anderen Seite wieder mehr abknöpft wird. b.wientjes@volksfreund.de