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KOMMENTAREHERIBERT WASCHBÜSCH ZU: STROMPREISE

KOMMENTAREHERIBERT WASCHBÜSCH ZU: STROMPREISE

Das neue Jahr fängt ja gut an. Vom 1. Januar sollen die Deutschen mehr für ihren Haushaltsstrom zahlen. Bundesweit haben fast alle Energieversorger Preiserhöhungen beantragt, die die Kilowattstunde um zwei bis neun Prozent teurer machen.

In der Region Trier kommt auf die Verbraucher eine Erhöhung um rund 3,2 Prozent zu. Damit liegt die Region im nationalen Vergleich noch recht günstig. Doch was ist eigentlich noch geblieben von den großen Vorteilen der Strom-Liberalisierung? Heute sind die Preise wieder auf dem Niveau von 1998. Daran trägt sicherlich die deutsche Energiepolitik ihren Anteil, doch allzu oft wird dies nun als Ausrede den Konzerne genutzt. Bisher hat auf dem europäischen Strommarkt noch keine große Liberalisierung gegeben. Anders als auf dem Telekommunikationsmarkt ist es der EU nie gelungen, die Märkte wirklich zu öffnen. In Frankreich beispielsweise regiert noch immer der ehemalige Staatsmonopolist Electricite de France (EdF) als Platzhirsch. In Deutschland gibt es zwar eine völlige Öffnung des Marktes, doch richtigen Konkurrenzdruck gibt es auch hier nicht. Denn die Monopolisten von ehemals haben sich arrangiert. Und auch die deutschen Stromkunden sind arg wechselfaul. Zwar haben seit Beginn der MarktÖffnung 1998 rund 13 Millionen der etwa 43 Millionen Stromkunden einen neuen Vertrag abgeschlossen, doch lediglich zwei Millionen Verbraucher haben auch einen neuen Lieferanten gewählt. Die Verbraucherverbände beklagen, dass daran die hohen Netznutzungsentgelte schuld wären, die mit bis zu 6,8 Cent je Kilowattstunde um die Hälfte zu hoch seien. Wer als Kunde diesem Teufelskreis entfliehen will, kann versuchen, bei einem anderen Anbieter einen günstigeren Tarif zu bekommen. Die beste Art aber, den Stromkonzernen eine Nase zu drehen, ist ganz einfach Strom sparen. Zwei Milliarden Euro jährlich schlucken allein Computer, Videogeräte oder Fernseher im Bereitschafts-Modus. Abschalten ist hier die sinnvollste Art, Umwelt und Geldbeutel zu schonen. Ein schöner Vorsatz fürs neue Jahr. h.waschbuesch@volksfreund.de