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Kommunen fahren Notprogramm für Pflanzen auf

Kommunen fahren Notprogramm für Pflanzen auf

Die große Hitze bedeutet großen Stress für Pflanzen und Gärtner: Während die Kommunen mit höheren Ausgaben für Wasser und zusätzlichen Arbeitsstunden zu rechnen haben, müssen Hobbygärtner ihre meist grünen Lieblinge gegen die Hitze wappnen.

Trier/Bitburg/Mosel. "Für die Pflanzen ist das alles großer Stress. Erst kam das Streusalz im Winter und jetzt die Hitze im Sommer", sagt Markus Schell, Vorarbeiter beim Grünflächenamt der Stadt Trier. Viele Bäume seien geschwächt, ständen nicht mehr so fest im Boden. "Wenn wir die jetzt nicht pflegen, müssen die im nächsten Jahr komplett ausgetauscht werden." Früher musste man nur neu gepflanzte Bäume regelmäßig gießen, jetzt müssten auch bereits fest verwurzelte Exemplare zusätzlich versorgt werden.

Vertrocknetes Stadtgrün, braune Wiesen und verblühte Blumen: Die Hitzewelle und die anhaltende Trockenheit der vergangenen Wochen belasten auch die ohnehin klammen Haushalte der Kommunen. Die Höhe der zusätzlichen Kosten hinge vor allem auch damit zusammen, inwiefern die Kommunen auch Leistungen von Privatfirmen in Anspruch nehmen müssen, sagt Michael Henze, Umweltreferent des Bundesverbands für Garten- und Landschaftsbau. Das sei im Moment noch nicht abzusehen.

Markus Schell vom Grünflächenamt der Stadt Trier geht davon aus, dass externe Firmen damit beauftragt werden müssten, um die regulär anfallenden Arbeiten auszuführen. Denn zurzeit befänden sich zwei Arbeitskräfte im Dauereinsatz gegen die Hitzeschäden. Erstmalig gebe es in Trier einen Zwei-Schicht-Betrieb zwischen 4 Uhr und 19 Uhr, um die Pflanzen bereits früh morgens mit Tausenden Litern Wasser versorgen zu können, so Schell. Weil der Boden noch mit Streusalz aus dem Winter belastet ist, müsse sogar noch zusätzlich gegossen werden: Das Mineral wirke wie ein Schwamm.

Auch die anderen Städte der Region rüsten sich gegen die Hitze:

In Konz sind rund 30 000 Liter Wasser (1000 Liter sind ein Kubikmeter) eingesetzt worden, um die für das Stadtbild wichtigsten Beete, Bäume und Anlagen zu bewässern. "Das entspricht etwa 15 bis 18 Prozent der städtischen Grünflächen von Konz", erläutert Winfried Manns, Sprecher des Städte- und Gemeindebundes und ehemaliger Bürgermeister von Konz. Die vier städtischen Gärtner seien morgens ab 6 Uhr aktiv gewesen und hätten manchmal auch abends gegossen. Um die Kosten zur Bewässerung im Rahmen zu halten, werden laut Manns überall dort, wo es erlaubt und möglich ist, Gewässer oder Brunnen angezapft. Dennoch: "Schäden in den Grünanlagen sind nicht auszuschließen."

In Wittlich ist der Sommer 2010 mit dem Sommer 2003 vergleichbar. Die in den letzten Jahren angepflanzten Bäume werden im Abstand von zwei bis drei Wochen mit etwa 120 Litern pro Baum bewässert. Seit Juni sind insgesamt 200 000 Liter Wasser in die Grünflächen und Blumenbeete geflossen.

Mehr Arbeit und erhöhter Wasserverbrauch auch in Saarburg. Im Juli wurden bislang rund 30 000 Liter verbraucht. Auch viele Anlagen, die sonst keiner Bewässerung bedurften, müssen nun zusätzlich gepflegt werden. Ein Angestellter ist dafür ganztägig im Einsatz.

Um den Durst der Pflanzen zu stillen, werden in Bitburg rund 130 Kubikmeter Wasser pro Woche verbraucht. Jeden zweiten Tag erhalten die Blumenbeete rund 30 Kubikmeter, die Rasensportanlagen rund 24 Kubikmeter pro Woche.

Trotz der Hitze gibt es in der Region keine Wasserknappheit. "Da es zuletzt immer wieder geregnet hat, kann man aktuell von einem normalen Sommer sprechen", so Carsten Grasmück von den Stadtwerken Trier. Der Wasserverbrauch in Trier ist dieses Jahr etwas höher. Als Spitzenwert wurden 2010 rund 27 400 Kubikmeter pro Tag abgezapft und damit 3,5 Prozent mehr als am "durstigsten" Tag des Jahres 2009 mit 26 450 Kubikmeter. Der absolute Höchstwert beträgt rund 28 000 Kubikmeter (2003).Extra Tipps für den Garten: "Ein Rasen in einem Hausgarten braucht normalerweise etwa zehn Liter pro Quadratmeter und Woche. Im Moment dürfen es auch gerne zweimal 15 Liter pro Woche sein", sagt Gärtner Michael Heinz, Experte des Landesverbandes Garten- und Landschaftsbau. In einem durchnittlichen Garten könnten so schnell 30 Kubikmeter Wasser pro Monat zusammenkommen. Damit das Wasser am besten ankommt, sollte man vor allem morgens gießen - und das ausgiebig, rät Werner Ollig von der Gartenakademie Rheinland-Pfalz. Nur bei ausreichender Menge dringt das Wasser auch bis tief in den Grund ein. "Große Bäume brauchen bei diesen Temperaturen rund 50 Liter am Tag", so Ollig. Gemüse und Stauden brauchen täglich viel Wasser, wenn sie frisch gesetzt sind. Topfpflanzen müssen möglicherweise mehrmals täglich gegossen werden. Ein großes Problem ist aber nicht nur die hohe Temperatur, sondern die Sonneneinstrahlung. Das betrifft deutlich mehr Pflanzen in diesem Jahr. Dieser Effekt wird verstärkt, wenn man falsch gießt: Lässt man das Wasser von oben laufen, können sich Tropfen bilden, die wie ein Brennglas wirken. Die Folge: Sonnenbrand.