Komplize Bush

Den Krieg der Bilder, den Kampf um die öffentliche Meinung hat Israel im Libanon-Konflikt spätestens seit gestern, seit der Tragödie von Kana, verloren. Dass auch gestern wieder die US-Regierung - allen voran Bushs Chefdiplomatin Condoleezza Rice - nichts von einem sofortigen, nicht an Vorbedingungen geknüpften Waffenstillstand wissen wollte und stattdessen eine "schwierige Kriegsführung" (Rice) für Israel hervorhob, könnte weit reichende Folgen für die Bemühungen Washingtons haben, in der gesamten Region Stabilität und Verständnis für Demokratie-Bemühungen zu erreichen.

Je grausamer die Fotos aus dem Libanon ausfallen, umso mehr wird auch die Assoziation um sich greifen, der US-Präsident billige diese Form des militärischen Vorgehens. Hier zeigt sich jetzt auch die außenpolitische Unerfahrenheit von Rice, der es bei ihrer Mission deutlich an Fingerspitzengefühl zu fehlen scheint. Denn warum nicht auf ein sofortiges Schweigen der Waffen drängen, wenn Israel ohnehin nicht mehr - wie aus Jerusalem zu hören ist - auf einer Entwaffnung der Hisbollah bei einem Friedensschluss beharrt, sondern vor allem einen Sicherheits-Korridor unter internationaler Kontrolle anstrebt? Nun ist der Zeitpunkt gekommen, dass sich Washington Komplizenschaft bei einer Kriegsführung vorwerfen lassen muss, für die in der breiten Weltöffentlichkeit kein Verständnis mehr herrscht. Selbst wenn Bush in den nächsten Tagen sein Dilemma begreift und noch umschwenkt - eine solche Wende hätte spätestens gestern, nach den erschütternden Bildern aus Kana, kommen müssen. nachrichten.red@volksfreund.de

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