Konflikt entschärft

Das meiste von dem, was Studenten an Hochschulen lernen, können sie im späteren Arbeitsleben zumindest nicht unmittelbar anwenden. Das hängt zum einen zusammen mit veralteten Fachbüchern sowie Dozenten, deren Lehrunterlagen nicht immer dem aktuellen Stand der Wissenschaft und Technik entsprechen.

Zum anderen liegt es an den Studieninhalten: Ein Bauingenieur, der gelernt hat, die Statik jeder Art von Brücke zu berechnen, später allerdings in der Verwaltung landet, kann sein mühsam und mit viel Zeitaufwand erworbenes Brückenbau-Wissen nie anwenden. Aus dieser Kluft zwischen Hochschulen und Arbeitswelt eine strikte, generelle Reduzierung der Studieninhalte abzuleiten, wäre allerdings falsch. Denn erstens kann nicht vorausgesehen werden, was jeder einzelne Student später im Beruf genau benötigt, und zweitens müssen Lehre, Wissenschaft und Forschung möglichst frei bleiben von wirtschaftlichen Zwängen. Nur dann sind Weiterentwicklung, Kreativität und Fortschritt gewährleistet. Das neue System entschärft diesen Konflikt: Der Bachelor qualifiziert schnell für den Einstieg in den Beruf; wer mehr will, kann sich im Master-Studiengang der Forschung oder theoretischem Spezialwissen zuwenden. Eine vertiefte, wissenschaftliche Ausbildung bleibt damit möglich, ohne dass junge Menschen, die möglichst schnell in den Beruf wollen, durch irrelevante Studieninhalte ausgebremst werden. Ein großes Problem ist allerdings noch ungelöst: Bisher zahlte das Bafög-Amt nur bis zum ersten berufsqualifizierenden Abschluss. Beim neuen System wäre damit bereits nach sechs Semestern mit dem Bachelor-Zeugnis Schluss - die weitere wissenschaftliche Ausbildung zum Master müssten bedürftige Studenten künftig selbst finanzieren. c.wolff@volksfreund.de