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Kostenloses Wasser für alle

Wasserspender wie hier im niedersächsischen Landtag in Hannover könnten bald zu einem flächendeckenden Angebot werden. Archiv-Foto: dpa
Wasserspender wie hier im niedersächsischen Landtag in Hannover könnten bald zu einem flächendeckenden Angebot werden. Archiv-Foto: dpa
Berlin. Die Niederlande machen es vor: Dort sind seit 2012 auf öffentlichen Plätzen oder an Bahnhöfen unzählige Trinkwasserhähne installiert worden, an denen die Menschen kostenlos ihren Durst stillen können. Die Niederlande werden nun womöglich zum Vorbild für Deutschland. Hagen Strauß

Berlin. Die Niederlande könnten zum Vorbild für Deutschland werden, was die Bereitstellung kostenloser Trinkwasserspender für die Bevölkerung angeht. Denn Politik, Kommunen und Wasserwirtschaft in Deutschland sind dafür, hierzulande ebenfalls flächendeckend frei nutzbare Wasserspender für durstige Bürger aufzustellen.

Empfehlung abgesegnet


Schon Anfang September vergangenen Jahres hatte der Bundestag ein solches Vorhaben positiv bewertet und eine entsprechende Empfehlung des Petitionsausschusses abgesegnet. Das Gremium hatte sich intensiv mit der Eingabe eines Bürgers beschäftigt und war nach einer Stellungnahme der Bundesregierung zu dem Ergebnis gekommen, dass die Aufstellung von hygienisch betriebenen und sorgsam gewarteten Trinkwasserspendern dem Verbraucher nütze - sowie die Eignung von "Wasser aus dem Hahn" zum Trinken vermittele.
Gleichzeitig werde damit ein Beitrag geleistet, "den Aufwand für den Transport und die Entsorgung von Flaschen zu reduzieren", so der Ausschuss. Zuständig für die Umsetzung des Vorhabens seien aber die Bundesländer. Ihnen wurde die Empfehlung inzwischen zugeleitet.
Neu sind öffentliche Trinkwasserspender in deutschen Städten nicht. Wo sie zu finden sind, kann auf der Internetseite www.trinkwasser-unterwegs.de abgerufen werden.
Doch bei weitem nicht alle Kommunen warten mit einem solchen Angebot auf. Der Städte- und Gemeindebund begrüßt daher die Idee eines flächendeckenden Ausbaus. Das könne die Attraktivität der Innenstadtbereiche deutlich erhöhen, so Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg im Gespräch mit unserer Zeitung. Das gelte vor allem im Sommer. "Gleichzeitig kann ein solches Konzept einen Beitrag dazu leisten, dass die Vermüllung mit Plastik- und Glasflaschen in den Kommunen reduziert wird."
Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft sieht das ähnlich. Die Kosten müssten allerdings im Rahmen bleiben, so Hauptgeschäftsführer Martin Weyand auf Nachfrage. "Ohne eine finanzielle Unterstützung der Länder oder des Bundes ist eine flächendeckende Bereitstellung solcher Anlagen nicht möglich." Unlängst wurden in Berlin rund 20 öffentliche Wasserspender installiert, die an das normale Leitungsnetz angebunden sind. Kosten pro Stück laut Berliner Wasserbetriebe: 5000 Euro. Wartung und Lieferung des kühlen Nasses sollen mit weiteren 3000 Euro pro Jahr zu Buche schlagen.
Billig ist das Vorhaben also nicht. Unter den Berliner Verbraucherpolitikern hofft man trotzdem auf Umsetzung: "Der Wert von Trinkwasser würde einen enormen Aufschwung erfahren", glaubt die SPD-Verbraucherexpertin Elvira Drobinski-Weiß. Zumal die Qualität des Trinkwassers in Deutschland besonders hoch sei.