Kranke sparen, Kassen-Chefs kassieren

Kranke sparen, Kassen-Chefs kassieren

TRIER. (wie) Verdienen Krankenkassen-Chefs und Ärztefunktionäre zu viel? Während Patienten weniger zum Arzt gehen, weil sie sich Praxis-Gebühr und Zuzahlungen ersparen wollen, kassieren die Vorstände Top-Gehälter.

100 Millionen Euro weniger haben die gesetzlichen Krankenkassen im vergangenen Jahr in Rheinland-Pfalz für Medikamente ausgegeben. Die Arzneimittelausgaben im Land sind laut Techniker Krankenkasse (TK) um 8,5 Prozent auf eine Milliarden Euro gesunken. 276,64 Euro gab der Bundesbürger im Schnitt für Pillen und Salben aus, in der Region sogar nur 266,46 Euro. Der Grund: Die Patienten gehen immer weniger zum Arzt, sie sparen Praxisgebühr und Medikamentenzuzahlungen. Damit bescherten sie den Krankenkassen ein sattes Plus von knapp vier Milliarden Euro. Trotzdem sinken die Beiträge nicht. Stattdessen genehmigen sich die Kassenchefs weiter üppige, zum Teil höhere Jahresgehälter. Bis zu 221 000 Euro verdienen einige Vorstandschefs: Die Patienten sparen, und die Kassen-Chefs kassieren. Doch nicht alle haben sich eine Erhöhung gegönnt. TK-Chef Norbert Klusen bekam im vergangenen Jahr samt Zulage 216 730 Euro, genauso viel wie 2003. Auch das Gehalt von Barmer-Chef Eckart Fiedler ist gleich geblieben: 185 422 Euro. An Beitragssenkungen wird bei beiden Kassen derzeit nicht gedacht, genauso wenig wie bei der AOK Rheinland-Pfalz. Sie hatte im vergangenen Jahr bereits ihre Beiträge um 0,4 Prozent gesenkt. Ihr Chef Walter Bockemühl, der nach eigenen Angaben weiterhin 140 000 Euro im Jahr verdient und wie gehabt eine Zulage von knapp 24 000 Euro erhält, sagt, höhere Vorstandsgehälter passten derzeit nicht in die Landschaft. Bei der IKK Rheinland-Pfalz hat man nicht nur Beitragssenkungen von 14,5 auf 13,3 Prozent beschlossen, sondern auch gleich ein komplettes Vorstandsgehalt eingespart. Durch die Fusion mit der IKK Saarland gibt es nur noch einen Chef, der bekommt 98 287 Euro. Aber auch viele Ärztefunktionäre, die die hohen Bezüge der Kassenvorstände kritisierten, gehören zu den Top-Verdienern. Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung kassiert 260 000 Euro. Der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz, der Trierer Arzt Carl-Heinz Müller, bekommt 193 000 Euro plus Einnahmen aus seiner Praxis.