Kranke Wurzeln

Laufen, Springen, Werfen - olympische Kerndisziplinen, in denen traditionell deutsche Athleten ganz vorne lagen. In einem Jahr ist mal wieder Olympia. Und was machen die Leichtathleten in Schwarz-rot-gold?

Sie blamieren sich. Nach der Wende waren es noch blühende Landschaften, nun vertrocknet der Samen im Boden. Bei der Weltmeisterschaft sind es bislang zwei magere Medaillen, im Stabhochsprung der Frauen und im Gehen. Wo sind sie, die hervorragenden Läufer, Werfer und Springer? Nicht, dass die Konkurrenz urplötzlich so stark ist, nein, die Deutschen rennen hinterher. Routiniers, die eine Medaillenbank waren, patzen schon in Vorkämpfen. Das alles auf die Nerven zu schieben, ist bei Athleten wie Astrid Kumbernuss eine zu einfache Ausrede, zu viele (erfolgreiche) Wettkämpfe liegen hinter den erfahrenen Sportlern. Was aber viel beängstigender ist: Von unten kommt kaum noch etwas hoch, der Nachwuchs krankt. Man kann den Sport in der Ex-DDR wegen Dopings auch an Minderjährigen in den Senkel stellen, aber wie Talent-Förderprogramme aussehen mussten, das wussten die Trainer im Osten. Auch ihre westlichen Kollegen brachten seinerzeit besser ausgebildete Sportler als heute hervor. Man kann argumentieren, dass einige deutsche Stars derzeit verletzt sind, aber auch das wäre nur ein Scheinargument. Es krankt an den Wurzeln, der ehemals starke Baum droht umzufallen. b.pazen@volksfreund.de