Krankenkasse deckt Unterschiede bei Fehlzeiten auf: Frauen sind anders krank als Männer

Krankenkasse deckt Unterschiede bei Fehlzeiten auf: Frauen sind anders krank als Männer

Männer gehen seltener zum Arzt, Frauen schleppen sich häufiger krank zur Arbeit. Das sind Ergebnisse des Gesundheitsreports der Krankenkasse DAK Rheinland-Pfalz, die gestern in Mainz vorgestellt worden sind.

Mainz. Kinder sind unter anderem schuld daran, dass Frauen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen häufiger im Job fehlen. Genauer gesagt: Schwangerschaft und Kinderkriegen. Komplikationen während der Schwangerschaft machen bei 30- bis 34-jährigen Beschäftigten in Rheinland-Pfalz 7,5 Prozent aller Fehltage aus. Mit ein Grund, warum sich Frauen öfter krankmelden als ihre männlichen Kollegen. Das ist ein Ergebnis des Gesundheitsreports der Krankenkasse DAK, der gestern in Mainz vorgestellt worden ist. Demnach liegt der Krankenstand bei Frauen höher als bei Männern.
Nach den gestern vorgelegten Zahlen haben von 1000 erwerbstätigen Frauen in Rheinland-Pfalz im vergangenen Jahr im Schnitt pro Tag 45 gefehlt, bei den Männern waren es 43 von 1000 Beschäftigten. Insgesamt liegt der Krankenstand in Rheinland-Pfalz mit 4,4 Prozent (von 1000 Berufstätigen fehlten pro Tag 44) so hoch wie seit 16 Jahren nicht mehr.
Die Kasse wollte genau wissen, wo denn nun der kleine Unterschied zwischen Frauen und Männern liegt. Daher hat sie die Daten von rund 160 000 berufstätigen DAK-Versicherten ausgewertet. Fazit: "Der viel zitierte kleine Unterschied ist größer als gedacht", sagt DAK-Landeschef Michael Hübner.

Frauen sind anders krank als Männer. Sie fallen demnach häufiger wegen psychischer Erkrankungen aus. Als einen möglichen Grund nennt Hübner die Doppelbelastung vieler Frauen durch Beruf und Familie,
Aber auch Brustkrebs führt bei Frauen zu mehr Fehltagen. "Betroffene stehen oft noch voll im Erwerbsleben", sagt Hübner. Männer erkranken zwar auch häufig an Krebs. Doch tritt die bei ihnen häufigste Krebserkrankung, der Prostatakrebs, zumeist erst im höheren Alter, meist ab 60 Jahren, auf - also eher im Rentenalter. Daher wirke sich das weniger auf die Statistik der Fehltage aus, heißt es in dem Report der Krankenkasse.
Ein weiterer Grund, warum Frauen sich "krank" melden: Kinder. 18,5 Prozent der von der DAK befragten Mütter von Kindern unter 18 Jahren gab an: "Wenn mein Kind krank ist, weiß ich mir manchmal nicht anders zu helfen, als mich selbst krankzumelden." Bei den Männern sind es 16,4 Prozent.

Berufstätige Männer leiden häufiger als Frauen unter Herz-Kreislauf-Problemen, und sie haben deutlich mehr Fehltage wegen Verletzungen als Frauen. Allerdings scheuen die männlichen Berufstätigen offensichtlich den Weg zum Arzt. Laut DAK gehen sie im Schnitt viermal im Jahr zum Arzt, Frauen hingegen siebenmal. "Selbst wenn man Vorsorgeuntersuchungen und schwangerschaftsbedingte Behandlungen herausrechnet, sind Männer weitaus seltener beim Arzt", so Hübner.
Dafür scheinen sich die Frauen aber häufiger krank zur Arbeit zu schleppen. 80 Prozent der rheinland-pfälzischen Frauen seien im vergangenen Jahr mindestens einmal krank arbeiten gewesen, heißt es in dem DAK-Gesundheitsreport. Bei den Männern waren es demnach nur 66 Prozent. Als Hauptgrund für ihr Verhalten, das Experten Präsentismus nennen, haben die Frauen angegeben, dass sie ihre Kollegen nicht hängenlassen wollten oder weil sie ihre Arbeit fertigstellen müssten. Zwar sind die weiblichen Berufstätigen im Vergleich zu den Männern häufiger krank, dafür aber nicht so lange. Während die durchschnittliche Fehlzeit bei den Männern bei 12,8 Tagen liegt, beträgt sie bei den Frauen 12,1 Tage.

Die häufigsten Fehlzeiten - und zwar von Frauen und Männern - gibt es laut DAK im Gesundheitswesen gefolgt vom Bauhandwerk und öffentlicher Verwaltung. Frauen haben allerdings in den meisten Branchen einen höheren Krankenstand als Männer.
DAK-Landeschef Hübner sieht in den Ergebnissen des Gesundheitsreports einen Beleg dafür, dass die Gesundheitsförderung in den Betrieben jeweils auf Frauen und Männer abgestimmt werden müsse.Extra

Frauen fehlen häufiger krankheitsbedingt im Job als Männer. Foto: dpa. Foto: ARRAY(0x245070808)

Auch die Techniker Krankenkasse (TK) bestätigt mit ihren Zahlen, dass Frauen in Rheinland-Pfalz höhere Fehlzeiten haben als Männer. Demnach wurde jede bei der Kasse versicherte erwerbstätige Frau 2015 im Schnitt für 17,3 Tage krankgeschrieben. Die Männer hingegen waren nur an 15,1 Tagen arbeitsunfähig. Der Gesundheitsreport der Kasse, der im Juni vorgestellt wird, zeigt, dass Frauen häufiger eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausgestellt wird. wie