Krieg der Worte

Zu einer gemeinsamen Fernseh-Debatte, kürzlich von Irans Präsident Ahmadinedschad ernsthaft vorgeschlagen, wird es nun ganz gewiß nicht mehr kommen. Denn George W. Bush hat am Dienstagabend in einer Rede vor Militäroffizieren die Tonart gegenüber dem Iran und der Führung des Landes massiv verschärft.

Ahmadinedschad sei ein "Tyrann", und das iranische Regime und seine "terroristischen Schergen" hätten gezeigt, dass sie Amerikaner töten wollten, so die Anwürfe des US-Präsidenten. Und: Die freien Nationen der Welt würden zu verhindern wissen, dass Iran in den Besitz von Atomwaffen gelangt - die "Werkzeuge von Massenmördern". Für die verzweifelten diplomatischen Bemühungen vor allem der Europäer von einer offenbar zu keinerlei Konzessionen bereiten und weiter auf Zeit spielenden Regierung in Teheran doch noch ein Einlenken im Nuklearstreit zu erreichen, ist eine solche Eskalation im "Krieg der Worte" zwischen den USA und dem Iran natürlich wie eine Giftspritze. Doch andererseits hofft Bush - im Vorfeld des fünften Jahrestages der 9/11-Attacken - die Mullahs erneut unter Handlungs-Druck setzen zu können. Ebenso will er offenbar gleichzeitig den Boden für schnelle unilaterale Sanktionen vorbereiten. Denn dem Weißen Haus ist längst klar geworden, dass es auf eine gemeinsame Marschroute im UN-Sicherheitsrat in Sachen Strafmaßnahmen nach den jüngsten Äußerungen aus Peking und Moskau kaum mehr setzen kann. Sowohl Russland wie auch China wollen Teheran - mit Blick auf die eigenen Wirtschaftsinteressen und eine durchaus erwünschte Schwächung der USA - an der langen Leine laufen lassen. Die bange Frage in Europa und der arabischen Welt muß nun aber sein, ob Bush - ablesbar an seiner ungewöhnlich scharfen Rede - langsam auch die Weichen für eine militärische Option stellt. Denn anders als Angela Merkel hat der US-Präsident diese nie vom Tisch genommen. Und was Bush jetzt in der live übertragenen Ansprache formulierte, ähnelt doch sehr verdächtig den Phrasen, mit denen das Weiße Haus in den Wochen und Monaten vor der Irak-Invasion gegenüber Saddam Hussein operierte. Zwar würde die große Mehrheit der US-Bürger nach der jetzigen Stimmungslage keine Land-Offensive mit hohen eigenen Verlusten mittragen, und die amerikanischen Truppen wären durch ihr Engagement im Irak und Afghanistan ohnehin für eine Invasion zu sehr gebunden. Ein intensives, über Tage anhaltendes Bombardement der über das Land verteilten Forschungszentren könnte jedoch nach einem im Pentagon schon länger vorliegenden "Planspiel" die nuklearen Ambitionen Teherans zumindest um Jahre zurückwerfen. nachrichten@volksfreund.de

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