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Krise hält Euro-Zone weiter im Griff

Krise hält Euro-Zone weiter im Griff

Europa bleibt im Krisenmodus, weil sich Vorhersagen zum wiederholten Male als zu optimistisch erwiesen haben: Die EU-Kommission musste am Dienstag nicht nur ihre Wachstumsprognose für die nächsten Jahre senken, sondern zudem einräumen, dass es noch schlechter kommen könnte.

Brüssel. Das Risiko, dass jeder Vorhersage innewohnt, sei "abwärts gerichtet", heißt es im neuen Herbstgutachten. Genannt werden die "zunehmenden geopolitischen Risiken", etwa der Wirtschaftskrieg mit Russland als Folge des Ukrainekonflikts. Weitere Enttäuschungen bei der Umsetzung von Reformen, heißt es weiter, "würden die Wachstumsaussichten ebenfalls beschädigen".
Im Frühjahr war für die Gemeinschaft noch ein Wachstum von 1,6 Prozent für das laufende und zwei Prozent für das nächste Jahr errechnet worden - nun erwarten die Experten einen halben Prozentpunkt weniger.
Da mit Großbritannien und Polen zwei stärker wachsende Länder außerhalb der Eurozone liegen, fällt die Prognose für deren Entwicklung noch schlechter aus. So soll die Wirtschaft im Euro-Raum dieses Jahr statt der zuvor erwarteten 1,2 nur um 0,8 Prozent wachsen. Kommendes Jahr erwartet die Euro-Länder statt eines etwas kräftigeren Aufschwungs in Höhe von 1,7 Prozent nur ein Plus von 1,1 Prozent. EU-Kommissar Jyrki Katainen sprach von einer "Quasi-Stagnation".
Große Depression


Der trüben Aussichten wegen sprach die neue EU-Kommission von einer großen Depression. Der Euro selbst sei aber nicht schuld an der Krise, betonte Kommissar Katainen; wohl aber sei sie in den Euro-Ländern tiefer, da die Einheitswährung und die niedrigen Zinsen sie "in falscher Sicherheit gewiegt" hätten.
Neben weiteren Strukturreformen forderten Katainen und sein Kommissarskollege Pierre Moscovici, die "Investitionslücke zu schließen". Sie wollen bis Weihnachten ein 300 Milliarden Euro schweres Investitionspaket vorlegen, dessen Finanzierung noch unklar ist. Vor allem aber sollten jene Länder mit gesunden Finanzen etwas für die Ankurbelung der Wirtschaft tun.
Dafür gebe es in der Bundesrepublik Spielraum, denn die staatliche Verschuldung sei "nicht alarmierend", sagte Kommissionsvize Katainen: "Deutschland kann eine wichtige Rolle spielen, um die Wirtschaft der Euro-Zone und der EU anzukurbeln", sagte Finnlands ehemaliger Premier, der Deutschland aber auch nicht die alleinige Verantwortung für mehr Wachstum zuweisen wollte: "Europa wird nicht überleben, wenn es nur ein oder zwei oder drei Motoren gibt."