Kritik an FDP-Chef Westerwelle: Alles nur Sommertheater?

Kritik an FDP-Chef Westerwelle: Alles nur Sommertheater?

Die Stimmung bei den freien Demokraten war schon mal besser. Seit der Bundestagswahl ist die FDP im Abwärtstrend, verliert rapide an Zustimmung. Laut aktuellem ZDF-Politbarometer kämen die Liberalen gerade mal auf fünf Prozent, wenn am Sonntag Bundestagswahlen wären.

Trier. (sey) Der TV hat die regionalen FDP-Funktionäre gefragt, was sie von der innerparteilichen Diskussion über ihren Vorsitzenden Guido Westerwelle halten, und ob sie Auswirkungen auf das FDP-"Musterländle" Rheinland-Pfalz befürchten, wo im Frühjahr gewählt wird.

Edmund Geisen (Bundestagsabgeordneter, Daun): Guido Westerwelle als Parteichef ablösen? Auf gar keinen Fall. Westerwelle ist der fähigste Vorsitzende, den ich je kennengelernt habe. Bei dem umfangreichen Reformprogramm, das wir Liberale uns vorgenommen haben, ist es nicht verwunderlich, dass wir auch viel Kritik bekommen: Kritik wird immer an demjenigen abgeladen, der am aktivsten vorgeht. Das müssen wir ertragen können.

Rita Wagner (Landtagsabgeordnete, Hetzerath): Guido Westerwelle macht auf beiden Positionen einen guten Job. Ich habe keine Bedenken, dass die Diskussionen über die FDP auf Bundesebene Auswirkungen auf Rheinland-Pfalz haben. Wir machen schließlich auch gute Arbeit.

Nicole Morsblech (Bezirksvorsitzende Eifel-Hunsrück): Die Umfragewerte sind schlecht, das stimmt. Und wir haben gewisse Probleme im Bund. Aber durch eine Führungsdiskussion bekommt man auch nicht mehr Wähler. Die rheinland-pfälzischen Liberalen beschäftigen sich lieber mit landespolitischen Fragen.

Günter Eichertz (Vorsitzender der FDP Bitburg-Prüm): Ich halte es für unglücklich, dass Westerwelle zugleich Parteivorsitzender und Außenminister ist. Das sollte getrennt werden. Auf Bundesebene verkaufen wir unsere liberale Politik zu schlecht. Dabei macht Wirtschaftsminister Rainer Brüderle einen guten Job. Nur kommt das nicht so rüber.

Thomas Egger (Vorsitzender der Trierer FDP): Natürlich kann ein Nur-Vorsitzender anders agieren als ein Parteichef, der auch noch Außenminister ist. Aber: Haben wir denn eine personelle Alternative zu Westerwelle? Und: Haben wir nicht vielmehr auch ein programmatisches Problem und zu sehr auf Steuersenkungen gesetzt? Die Frage ist, ob es möglich ist, mit Guido Westerwelle einen anderen Kurs zu fahren. Der Vorsitzende sollte sich daran erinnern, dass nicht er alleine die Partei ist. Im Moment sind wir zu sehr eine One-Man-Show. Für die Landtagswahl ist der Bundestrend jedenfalls besorgniserregend.-pf./cdr

Claus Piedmont (FDP-Chef Trier-Saarburg): Alles nur Sommertheater! Guido Westerwelle ist zwar Vorsitzender, aber die politischen Richtlinien bestimmen doch andere mit. Ich befürchte schon, dass die augenblickliche Diskussion sich negativ auf den Landtagswahlkampf auswirken wird. Also: Schluss mit dem Sommertheater!-pf./cdr