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Kritik an Polizeivideo zu Vergewaltigungen in Ungarn

Kritik an Polizeivideo zu Vergewaltigungen in Ungarn

Ein Video der ungarischen Polizei, das attraktiv gekleideten und flirtenden jungen Frauen eine Mitschuld an Vergewaltigungen gibt, hat scharfe Kritik ausgelöst.

Die Polizei im südungarischen Bezirk Baranya hatte das Video im Rahmen einer Kampagne zur Verbrechensvorbeugung ins Internet gestellt. Der Clip zeigt drei junge Frauen, die sich vor dem Ausgehen schick machen und beim Bar-Besuch übermütig trinken und schäkern. Auf dem Heimweg wird eine von ihnen von einem Mann mit Kapuze vergewaltigt. Schließlich erscheint der Text: "Du kannst etwas dafür! Du kannst etwas dagegen tun!"

Das Video mit dem Titel "Selfie Klip", das vor einer Woche gepostet wurde, löste bei ungarischen Frauen-Organisationen Empörung aus. Auch im südwestungarischen Bezirk Vas veröffentlichte die Polizei eine Warnung, in der es unter anderen hieß: "Das Kichern junger Mädchen löst oft Gewalt aus." Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) bezeichnete die Kampagne in einer Stellungnahme in der Nacht zum Freitag als schockierend und die Opfer beschuldigend.

"Die Polizei in Ungarn (...) muss der Öffentlichkeit klar machen, dass die Täter und nicht die Opfer (an Vergewaltigungen) schuld sind und dass die Täter und Angreifer vor Gericht gestellt werden", hieß es in der Stellungnahme von HRW. Die ungarische Polizei nahm zur Kritik an ihrer Kampagne bislang nicht Stellung.