Kuba und Krabbencocktail

Trier · Die Ministerpräsidentin lässt sich bekochen, ein Abgeordneter schreibt Gedichte, ein anderer schießt das Festmahl selbst. Die Landespolitiker aus der Region Trier haben ganz eigene Rituale, wie sie Weihnachten feiern.

Trier. Weihnachten statt Wahl, gebratene Gans statt gerupftem Flughafen Hahn: Nach einem turbulenten Jahr in Rheinland-Pfalz warten auf die Landespolitiker der Region ruhige Festtage. Die feiert jeder auf seine Art, aber nicht alle bei 30 Grad wie der AfD-Politiker Jens Ahnemüller. Der Konzer macht Urlaub auf Kuba. Auf das Flair des Festes verzichtet er nicht ganz. "Es gibt hier auch Weihnachtsbäume, aber keine echten." Doris Ahnen (SPD) zieht Trier der Karibik vor. Die Finanzministerin feiert mit der Familie - und jeder hilft. An Heiligabend gibt es Fondue, und alle Gäste sollen dazu selbstgemachte Soßen und Dips mitbringen.
Beim Eifeler CDU-Politiker Michael Billen gibt es dagegen Wildschwein. "Höchst persönlich erlegt", sagt der leidenschaftliche Jäger aus Kaschenbach. Lieber Plätzchen backt da die Grünen-Politikerin Jutta Blatzheim-Roegler. Vanillekipferl und Kokosmakronen schob sie in den vergangenen Tagen in den Ofen, weil die Verpflegung für die vier Kinder und drei Enkel ja stimmen soll, erzählt sie. Mit einer vollen Hütte rechnet auch die SPD-Landtagsabgeordnete Bettina Brück (Thalfang). 14 Gäste kommen. Die clevere Lösung, um gar nicht erst stundenlang am Herd zu stehen: "Wir machen Raclette." Bekochen lassen sich dagegen Malu Dreyer und ihr Mann Klaus Jensen in Trier. Tochter Marie, die in London lebt, brutzelt ausgefallene Leckereien: Krabbencocktail, Hochrippe vom Rind im Kräutermantel mit Kartoffel-Pilz-Pastete und als Nachtisch ein Monte-Bianco-Dessert. Weniger das Essen ist es, was Michael Frisch an Weihnachten fesselt. Der AfD-Landtagsabgeordnete aus Trier freut sich darauf, mal wieder ein Buch in die Hand zu nehmen. "Ruhe, keine Hektik" ist auch das, was Bernhard Henter (Konz) groß schreibt. Der CDU-Politiker feiert bei seinem Bruder in Temmels. "Mit Kaffee und Kuchen." Umweltministerin Ulrike Höfken steht dagegen am Herd und kocht Rehkeule, Kartoffeln, Rotkohl und Bratäpfel zum Nachtisch. Alles ökologisch und aus der Region, versteht sich bei der Grünen-Politikerin aus Bitburg. Während sie brutzelt, versuche die Familie, sich über den Christbaum-Schmuck zu einigen. Die Diskussion gibt es bei Alexander Licht nicht. Der CDU-Fraktionsvize stellt den Baum selber auf - und schmückt ihn auch gleich. Die kreative Ader beweist der Brauneberger (Kreis Bernkastel-Kues) auch noch auf andere Weise. Der Familie schreibe er an Weihnachten immer Gedichte. Und passend zur Poesie gibt es Riesling.
Elfriede Meurer (CDU) haderte dagegen noch kurz vor Weihnachten, was sie kochen soll. "An Heiligabend gibt es Raclette. Was an den Tagen danach folgt, entscheide ich spontan beim Einkaufen", sagt die Wittlicherin. SPD-Politiker Lothar Rommelfanger weiß dagegen noch nicht, was seine Stieftochter mit ihrem Freund fertigt. Was danach kommt, darauf freut er sich besonders. Die Familie spielt das Kartenspiel Wizard. "Wahrscheinlich bis tief in die Nacht." Die Triererin Ingeborg Sahler-Fesel (SPD) feiert in Ruhe mit ihrem Mann - "bei Kartoffelsalat und Würstchen". Gemütlich lässt es auch der CDU-Abgeordnete Arnold Schmitt angehen, der einen Tag mit der ganzen Familie feiert und den zweiten Weihnachtstag nur mit seiner Frau verbringt. "Wir gehen dann spazieren oder gucken Fernsehen." Verdient hat sich der Rioler die Entspannung. In den vergangenen Tagen hat er 300 Weihnachtskarten geschrieben, erzählt er.
Schmökern, stöbern, spielen - so feiert Astrid Schmitt (SPD), die in diesem Jahr Oma geworden ist. Enkelin Ronja, das verrät die Vulkaneifelerin aus Kirchweiler, kriegt ein Bilderbuch. "Wir schenken uns nur Bücher oder CDs."
Eine eigene CD aufnehmen könnte theoretisch CDU-Mann Gordon Schnieder. Er singt im Kirchenchor in Birresborn (Vulkaneifel) - "auch am ersten Weihnachtstag". Nico Steinbach (Bitburg) schielt eher schon auf die Tage nach Weihnachten, wenn der SPD-Politiker mit seiner Frau "in den Schwarzwald-Urlaub" fährt. Schauspielern darf dagegen Parteifreund Sven Teuber (Trier) an Weihnachten. Mit Frau und Kindern geht's erst zum Krippenspiel in die Kirche, dann spielt die Familie die Geschichte zuhause an der eigenen Krippe mit Figuren nach. Ganz außen vor bleibt die Politik aber auch an den Festtagen nicht, sagt Marco Weber (FDP), der mit der Familie in Lissendorf feiert. "Ich muss mich vor meinen Geschwistern häufig rechtfertigen, weil Politiker ihnen zu unverständlich reden", ahnt der Vulkaneifeler, was er zu hören kriegt. flor