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Kümmern, fördern und früh mitentscheiden lassen

Kümmern, fördern und früh mitentscheiden lassen

Die Parteien im Land schrumpfen. Kontinuierlich gehen bei den meisten die Mitgliederzahlen zurück. Parteienforscher wie der Trie rer Politikprofessor Uwe Jun glauben, dass der Negativtrend andauern wird. Was bedeutet das für die im Landtag vertretenen Parteien? Und wie versuchen sie, diese Entwicklung zu stoppen?

Trier. Die rheinland-pfäzische SPD hat es im März noch einmal geschafft, stärkste Partei im Land zu werden. Ein Verdienst auch der 38 000 Mitglieder, die von Haustür zu Haustür pilgerten, um für die Genossen und Spitzenkandidatin Malu Dreyer zu trommeln. Doch Landtagswahlkampf für Landtagswahlkampf schrumpft das Mitgliederreservoir - allein zwischen 2011 und 2016 um sieben Prozent. "Wir müssen unsere Ressourcen daher zielgerichteter einsetzen", sagt Parteisprecher Timo Haungs. Was das konkret bedeutet, habe die Landes-SPD im vergangenen Wahlkampf erfolgreich praktiziert: Wo SPD-Hochburgen ausgemacht wurden, wurde mehr geworben als anderswo. Das Resultat nach Angaben des Parteisprechers: eine höhere Wahlbeteiligung und damit insgesamt mehr Stimmen für die SPD. Um mehr Menschen für eine Mitarbeit in der Partei zu gewinnen, bieten die Sozialdemokraten die Möglichkeit, auch zeitweise und themenspezifisch mitzuarbeiten - ohne gleich Mitglied werden zu müssen.
Bei der rheinland-pfälzischen CDU ging die Mitgliederzahl seit der Landtagswahl 2011 sogar um gut zehn Prozent zurück. Hauptschuld daran sei die demografische Entwicklung, sagt Generalsekretär Patrick Schnieder. Und was tut die Partei gegen den Abwärtstrend? "Wir arbeiten dem Mitgliederschwund mit guter, glaubwürdiger Oppositionsarbeit entgegen", sagt Schnieder. Außerdem hat die Partei ein Nachwuchsförderprogramm aufgelegt, dass kontinuierlich 80 Jungtalente fördere. Viele von ihnen hätten schon den Sprung in die Kommunalparlamente geschafft.
Die rheinland-pfälzischen Grünen haben vor vier Jahren ein spezielles Projekt zur Mietglieder- und Personalentwicklung gestartet. In jedem Kreisverband soll es demnach einen Ansprechpartner geben, der sich um neue Mitglieder und Interessenten kümmert, die Willkommenskultur in der Partei stärkt und das Thema Mitgliederwerbung aktiv in den Fokus rückt. Zumindest zeitweise scheint das gefruchtet zu haben. Derzeit haben die Landes-Grünen 3014 Mitglieder, 200 mehr als vor fünf Jahren. Allerdings ging die Mitgliederzahl zuletzt wieder leicht zurück - womöglich auch ein Ergebnis der verkorksten Landtagswahl im März.
Weniger Mitglieder bedeutet bei allen Parteien natürlich auch weniger Einnahmen - und das nicht nur auf der untersten Ebene. Bei den Grünen etwa legen die Kreisverbände die Beitragshöhe fest. Pro Mitglied werden monatlich insgesamt 5,53 Euro abgeführt, 2,55 Euro an den Landesverband 2,98 Euro an den Bundesverband. Der Rest verbleibt beim Kreisverband.
Auch die FDP hat in den vergangenen Jahren über 900 Mitglieder verloren, rangierte zuletzt bei 4076 Mitgliedern. Die Schuld daran geben die Liberalen zumindest teilweise dem Bevölkerungsrückgang. Zurück im Parlament und auf der Regierungsbank hofft die rheinland-pfälzische FDP durch ihre Programmatik und Leistung zu überzeugen. Das mache "eine Mitgliedschaft in der FDP für gesellschaftspolitisch Interessierte, die sich mit freiheitlichen Werten identifizieren können, attraktiv", sagt Parteisprecher Hermann Wiest.
Verglichen mit den anderen Parteien geht es bei der rheinland-pfälzischen AfD in puncto Mitglieder nach oben. Noch. Seit der Parteigründung Ende 2013 mit 1062 Mitgliedern gewann die Partei über 300 neue Mitglieder hinzu. "Schön für uns, dass neue Mitglieder immer auch aktive Mitglieder sind", sagt AfD-Sprecher Andreas Wondra.
Ihm ist nicht bange, dass der Mitgliederzuwachs plötzlich aufhört. "Wir geben uns Mühe, dem Bürger zuzuhören und ihn ernst zu nehmen", nennt Wondra das Erfolgsrezept.