Längst überfällig

Warum erst jetzt? Der Rücktritt von Luxair-Chef Heinzmann war längst überfällig. Spätestens seit seiner einseitigen Schuldzuweisung für die Ursachen des Fokker-Absturzes und seinem immer selbstherrlicher werdenden Führungsstil war er nicht mehr tragbar.

Statt die nach dem Unglück von Niederanven böse ins Trudeln geratene Fluggesellschaft wieder abzufangen, riss er sie immer tiefer rein. Jede Schuldzuweisung, jede Mitverantwortung für die Katastrophe ließ er von sich abprallen, verhöhnte damit die Hinterbliebenen der Absturzopfer. Stattdessen machte er hochrangige Mitarbeiter zu Bauernopfern, indem er sie allein für den Absturz verantwortlich machte und Mir-nichts-dir-nichts auf die Straße setzte. In einer Zeit, in der die Fluggesellschaft unter schärfster Beobachtung stand und das Misstrauen der Kunden auch wegen ständiger Pannen und Beinahe-Katastrophen wuchs, legte sich Heinzmann mit den Piloten an und verscherzte es sich mit seiner kompletten Belegschaft. Er ließ es sogar auf einen Streik der Flugkapitäne ankommen. Luxemburgs Premierminister Juncker musste erst kräftig auf den Tisch hauen, bevor der Generaldirektor zum Einlenken bereit war. Heinzmann machte aus der einst so rentablen und angesehenen Gesellschaft ein desaströses Unternehmen, das heute ums Überleben kämpft. Jahrelang ignorierte er die zunehmende Konkurrenz, machte eine falsche Preispolitik, während immer mehr Gäste in Richtung Hahn oder dem belgischen Charleroi zum Billigflieger Ryanair abwanderten. Verwaltungsrat und politisch Verantwortliche haben zu lange an Heinzmann festgehalten. Die Notbremsung kommt zu spät. b.wientjes@volksfreund.de