Lahmes Comeback

Nicolas Sarkozy hat die Wahl zum Vorsitz der französischen Konservativen gewonnen. Doch der neue Parteichef steht vor einer schwierigen Aufgabe: Er muss seine zerstrittene Partei einen. Und sein schwaches Wahlergebnis zeigt, dass er nicht mehr der unumstrittene Anführer ist.

Paris. Nicolas Sarkozy ist zurück: Der frühere Präsident übernimmt den Vorsitz der französischen Konservativen. Doch seiner UMP fehlt die Begeisterung über den Neuanfang. Denn Sarkozy wurde am Samstag mit nur 64,5 Prozent der Stimmen an die Parteispitze gewählt. Sogar die konservative Zeitung Le Figaro sprach von einem enttäuschenden Ergebnis. Galt doch schon im Vorfeld jedes Resultat unter 70 Prozent als Niederlage. Bei seiner ersten Wahl zum UMP-Chef vor zehn Jahren hatte der Konservative noch 85 Prozent der Stimmen erhalten.
Diesmal stimmte immerhin gut ein Drittel der 268 000 Parteimitglieder für einen der beiden anderen Kandidaten. Gerade von dem früheren Landwirtschaftsminister Bruno Le Maire versprachen sich viele UMPler einen Neuanfang in ihrer von Streitigkeiten und Affären erschütterten Partei.
"Viel Glück für die Erneuerung der Partei", twitterte denn auch der frühere Regierungschef Alain Juppé ironisch. Denn Sarkozy steht eben gerade nicht für einen Aufbruch in der UMP. War er es doch, der mit überzogenen Wahlkampfausgaben 2012 die Partei an den Rand der Pleite gebracht hatte. Seine Rolle im Finanzierungsskandal um doppelte Abrechnungen ist ebenso wenig geklärt wie seine Verwicklung in andere Affären.
Sarkozy brüsker Abgang nach seiner Niederlage gegen den Sozialisten François Hollande bei der Präsidentschaftswahl 2012 war es auch, der die Partei in einen erbitterten Bruderkrieg um den Parteivorsitz stürzte. Die von Betrugsgerüchten begleiteten Wahlen vor zwei Jahren brachten die UMP an den Rand der Spaltung. Nun soll ausgerechnet der nicht gerade als Diplomat bekannte "Speedy Sarko" seine Partei wieder einen, der er so schnell wie möglich einen neuen Namen geben will - auch, um die alten Skandale vergessen zu machen.
Juppé will Präsidentschaftskandidat werden
Doch der Sohn eines ungarischen Einwanderers ist nicht mehr der unumstrittene Anführer. Während seiner zweieinhalbjährigen Abwesenheit vom Politikbetrieb brachte sich Juppé als Präsidentschaftskandidat in Stellung. Der beliebte Bürgermeister von Bordeaux strebt ein Bündnis mit den Parteien der Mitte an, während Sarkozy mit nationalistischen Parolen um Wähler am rechten Rand buhlt. Dort fischt auch der frühere Regierungschef François Fillon, der ebenfalls seine Präsidentschaftskandidatur für 2017 angekündigt hat.
Wenn Sarkozys Anhänger gehofft hatten, dass ihr Idol mit dem Ergebnis am Samstag zum natürlichen UMP-Kandidaten für die Wahl 2017 würde, dann wurden sie enttäuscht. "Sein schwacher Sieg erlaubt es ihm nicht, die Konkurrenz im neuen Vorwahlkampf auszuschalten", schreibt die Zeitung Le Monde. Dabei dürfte die Partei ein ähnlich zerstrittenes Bild abgeben wie derzeit die regierenden Sozialisten (PS). Die könnten gegen ihren alten Feind Sarkozy wieder zu neuer Geschlossenheit finden. In den vergangenen Monaten hatten sich die Sozialisten vor allem selbst bekriegt. Von der Zerstrittenheit der beiden einst großen Parteien Frankreichs profitiert die extreme Rechte. Der rechtspopulistische Front National wird 2017 Marine Le Pen ins Rennen schicken.
Die 46-Jährige, die vor allem gegen Einwanderer hetzt, wurde am Sonntag beim Parteitag in Lyon als Parteichefin wiedergewählt - mit 100 Prozent.