Land macht Druck auf Raser

Noch nie hat es in Rheinland-Pfalz so wenige Verkehrstote gegeben wie 2016. Die Zahl der Unfälle nimmt aber zu, deshalb wird in Blitzer investiert. Experten zweifeln am Sinn.

"Jeder Verkehrstote ist einer zu viel", sagt Roger Lewentz, zieht die Stirn in Falten und guckt ernst durch seine Brille. Jedes Jahr hat der rheinland-pfälzische Innenminister (SPD) die Aufgabe, die Verkehrsunfallbilanz vorzustellen. Und auf die Zahl der Opfer hinzuweisen, die bei schweren Unfällen verletzt wurden oder gar starben. Auch im Jahr 2016 gab es tragische Unfälle. Wie in der Region: Im Kreis Bernkastel-Wittlich starben zwei Menschen, weil auf der Bundesstraße 53 zwischen Kinheim und Ürzig zwei Wagen zusammenprallten und ein Auto über die Leitplanke katapultiert wurde. Zwei Männer kamen im vergangenen Jahr auch bei einem Unfall in der Nähe von Sefferweich (Eifelkreis Bitburg-Prüm) ums Leben, als ein Motorradfahrer mit einem Auto kollidierte, das zuvor von der Straße abgekommen und liegengeblieben war. 33 Menschen starben allein in der Region Trier im vergangenen Jahr durch Verkehrsunfälle, in ganz Rheinland-Pfalz waren es 161.

Lewentz erkennt dennoch einen Trend, der ihm Mut macht. Der SPD-Politiker spricht von einem "historischen Tiefstand" bei den Todesopfern durch Verkehrsunfälle - und einem deutlichen Rückgang. 2015 starben landesweit 33 Menschen mehr, in der Region Trier waren es sieben.

Entwarnung gibt Lewentz aber nicht. Denn gleichzeitig schepperte es im vergangenen Jahr 3656 Mal häufiger auf den Straßen, die Zahl der Verletzten stieg. Besonders alarmierend: Die Polizei zählte 114 Unfälle mehr, bei denen Kinder beteiligt waren. Lewentz nennt zu schnelles Fahren als häufigste Unfallursache. "Geschwindigkeit ist der Killer Nummer eins im Verkehr und entscheidet über Leben und Tod."

Das Innenministerium sieht so einen Anlass, neue Blitzer zu kaufen und den Druck auf Raser zu erhöhen. Das Land hat im Doppelhaushalt für 2017 und 2018 insgesamt 15 neue Geräte eingestellt, für die es 2,25 Millionen Euro ausgibt. Zwei Anlagen bekommt das Polizeipräsidium Trier, von denen die erste bis spätestens Mai zum Einsatz kommen soll. Es sind Anhänger, in die Blitzer eingebaut sind. Die Polizei kann sie transportieren und rund um die Uhr in Betrieb halten, ohne selber vor Ort die Geschwindigkeit prüfen zu müssen. Lewentz sagt, es reiche nicht aus, Raser mit Schulungen überzeugen zu wollen. Er deutet an, dass die Regierung in künftigen Doppelhaushalten nachlegen könnte. "Wenn wir den Druck auf die Einhaltung der Geschwindigkeit erhöhen können, sind es nicht die letzten Geräte, die wir angeschafft haben."

Der ADAC Mittelrhein warnt davor, einen Zusammenhang zwischen Blitzern und Unfällen herleiten zu wollen. "Wer um die empfindlichen Punkte weiß, fährt dort langsam und danach wieder schneller", sagt Herbert Fuss, Leiter der Abteilung Verkehr und Technik. "Von einem erzieherischen Effekt kann dann keine Rede sein." Der Verkehrspsychologe Karl-Friedrich Voss weist darauf hin, dass nicht die Autofahrer geblitzt werden, von denen ein hohes Unfallrisiko ausgeht. Die CDU-Landtagsabgeordnete Gabriele Wieland fordert vom Land, junge und ältere Fahrer mehr zu schulen. Jens Ahnemüller (Konz) spricht von "Abzocke". Denn das Land rechnet bei gleichbleibendem Verkehrsverhalten mit Bußgeld-Mehreinnahmen von 18,6 Millionen im Jahr 2017 und 34 Millionen Euro für 2018.

Selbst die Blitzer-Attrappe hilft nur kurze Zeit

Von Handys, Radfahrern und Senioren

Die Unfallbilanz in der Region:

Trier und Trier-Land: Fehler mit tragischen Folgen

Saarburg und Konz: Neuer Unfallrekord

Hochwald: Mehr Unfälle, weniger Verletzte

Bitburg: B 51 bleibt gefährlichste Strecke

Prüm: Wild und Raser bleiben eine Gefahr

Daun/Gerolstein: Gefährliches Pflaster für Motorradfahrer

Wittlich/Mosel/Hunsrück: Verkehrsbilanz: Zehn Menschen sterben