Landeskartellbehörde winkt Verkauf des Nürburgrings durch

Landeskartellbehörde winkt Verkauf des Nürburgrings durch

Lange war es ruhig um den Nürburgring, doch plötzlich macht er wieder Schlagzeilen. Während das Kartellamt den Verkaufsprozess durchwinkt, fährt das US-Unternehmen Nexovation schwere Geschütze auf und hat die Insolvenzverwalter angezeigt.

Nürburgring/Mainz. Nachdem der Nürburgring eine Zeit lang aus den Schlagzeilen heraus war, gibt es nun wieder allerhand Neuigkeiten. Hier eine Übersicht über die neueste Entwicklung.
Das Signal des Kartellamts: Die Landeskartellbehörde hat - wie erwartet - ihre Zustimmung zum Verkauf der Rennstrecke gegeben. Das teilten die Insolvenzverwalter mit. Die Landeskartellbehörde sitzt im Mainzer Wirtschaftsministerium und hat die Unterlagen ausgiebig geprüft. Der Nürburgring war vor etwa einem Jahr für 77 Millionen Euro an den Autozulieferer Capricorn und das Motorsportunternehmen Getspeed verkauft worden. Capricorn ist mittlerweile ausgestiegen, die Mehrheitsanteile an der Ring-Besitzgesellschaft hält inzwischen eine Holding um den russischen Unternehmer Viktor Charitonin.

Die Anzeige gegen die Insolvenzverwalter: Der unterlegene Bieter Nexovation hat die Insolvenzverwalter Jens Lieser und Thomas Schmidt angezeigt. Das bestätigte die Koblenzer Staatsanwaltschaft gegenüber der Rhein-Zeitung. Die Strafanzeige ging am 11. Februar ein. Die Staatsanwaltschaft prüft, hat aber noch nicht über Ermittlungen entschieden. Nexovation wirft den Insolvenzverwaltern Betrug und Untreue vor. Lieser und Schmidt hätten den Gläubigerausschuss beim Verkauf des Rings an Capricorn über die Belastbarkeit der Deutsche-Bank-Finanzierung getäuscht. Demnach versprachen die Insolvenzverwalter, dass die Finanzierung von Capricorn banküblich und valide sei. Nexovation glaubt, dass dies falsch war, da die Deutsche Bank eine Reihe von Bedingungen an ihre Zusage knüpfte. Capricorn setzte den Kontrakt am Ende dann gar nicht um, was bei dem Frankfurter Geldhaus für Ärger sorgte. Die Insolvenzverwalter weisen die Vorwürfe zurück. Der Verkaufsprozess sei intensiv geprüft worden. "Wir haben nichts Falsches gemacht", so Sachwalter Jens Lieser im Gespräch mit unserer Zeitung.

Die angekündigten Klagen gegen den Verkaufsprozess: Im April dürfte der positive EU-Beschluss im EU-Gesetzblatt veröffentlicht werden. Danach bleiben Nexovation drei Monate, um zu klagen.

Der Abschluss des Ring-Jahres 2014: Hier war noch die Nürburgring-Betriebsgesellschaft mbH zuständig. Budgetiert wurde das Geschäftsjahr mit einem Ebitda (Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen) von 4,3 Millionen Euro. Am Ende wurde ein fast doppelt so hohes Ebitda erzielt.

Die Übertragung an die Treuhänder: Anfang des Jahres wurden die Ring-Besitzanteile auf einen Treuhänder übertragen. Das ist nach Informationen der Rhein-Zeitung der Rechtsanwalt Andreas Beck von der Kanzlei Schultze & Braun in Achern. Die Kaufpreisraten (derzeit als Pacht) der russisch geführten NR Holding (knapp 420 000 Euro im Monat) fließen verlässlich.

Die Kritik der CDU: Fraktionsvize Alexander Licht ist sauer, dass die Landesregierung ihre Ring-Berichtspflicht gegenüber dem Landtag einstellt. Er glaubt, dass Rot-Grün das leidige Thema auf diese Weise in der politischen Versenkung verschwinden lassen will.

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