Langzeitarbeitslose in der Region: Ohne Job, ohne Chance

Trier/Mainz · Wer langzeitarbeitslos ist, findet immer schwerer eine reguläre Beschäftigung. Ein Modell in der Region Trier betreut die Menschen eng, macht Mut – und läuft dennoch bald aus.

Esse ich die trockenen Nudeln mit Maggi oder mit Ketchup? Die Frage musste sich Helmut Pauls, der in Wirklichkeit anders heißt, vor nicht allzu langer Zeit häufiger stellen. Zwei Jahre lang war der Trierer arbeitslos. Das Geld reichte gerade mal für Miete, Strom - und kümmerliche Mahlzeiten. Mehr als ein halbes Jahr liegt die triste Zeit zurück. Inzwischen arbeitet der 58-Jährige als Reinigungskraft beim Trierer Exzellenzhaus. Und Pauls ist froh, wenn er morgens um sechs Uhr die Türen aufschließen und putzen kann: "Ich hätte nicht gedacht, dass ich nochmal so im Leben stehe. Zwischenzeitlich habe ich schon resigniert."

Endlich wieder schaffen: Ein Trierer Langzeitarbeitsloser und sein Weg zurück in den Job

Geht es nach den bundesweiten Zahlen, findet nur ein geringer Anteil an Langzeitarbeitslosen einen neuen, regulären Job. Bei den Betroffenen, die im vergangenen Jahr ihre Arbeitslosigkeit beenden konnten, war nur in rund jedem achten Fall eine Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt der Grund. Dies geht aus der Antwort der Bundesagentur für Arbeit auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann hervor. Die gute Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt gehe bisher an vielen Langzeitarbeitslosen vorbei.

Insgesamt gab es im Durchschnitt des vergangenen Jahres 993073 Langzeiterwerbslose. 12,2 Prozent nahmen eine Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt auf. 17,3 Prozent wurden wegen Arbeitsunfähigkeit aus der Statistik gestrichen. In der Region Trier sind derzeit 2866 Menschen länger als ein Jahr ohne Beschäftigung, was bei 10172 Arbeitslosen ein Anteil von 28,2 Prozent ist.Das Thema dürfte auch den Bundestagswahlkampf bis zum 24. September prägen. CDU und SPD versprechen zur Bundestagswahl, das Problem künftig besser anzugehen. Sozialverbände fordern wirkungsvolle Schritte.

Dietmar Muscheid, Landesvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes, kritisiert den hohen Anteil Langzeitarbeitsloser in der Statistik. Sein Vorschlag: "Betroffene noch stärker fördern, aber auch Bezugszeiten für Ältere ausweiten, wenn Integrationsbemühungen zu keinem Erfolg führten." Das Bistum Trier hatte schon im Frühjahr ein Konzept vorgeschlagen, das Langzeitarbeitslose in dauerhafte Jobs bringen soll. Die Idee: weg von befristeten Maßnahmen, hin zu einer dauerhaften, öffentlichen Förderung der Betroffenen in Höhe von 60 Prozent des Mindestlohns.

Der Sozialverband VdK Deutschland fordert ein nachhaltiges Konzept für mehr Chancen von Langzeitarbeitslosen. "Weiterbildungsprogramme, die insbesondere die individuelle Situation von gering Qualifizierten berücksichtigen, müssen ausgebaut werden", sagt Vdk-Präsidentin Ulrike Mascher. Ein solches Modell hebt die Arbeitsagentur Trier für sich hervor. Drei von fünf Jobcentern in der Region nehmen an einem Bundesprogramm teil, das mit zehn Millionen Euro aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds gefördert wird. Mitarbeiter stellen direkte Kontakte zu Unternehmen her, bieten passende Langzeitarbeitslose an, coachen diese, die Firmen erhalten Zuschüsse auf den Lohn und die Sozialversicherungsabgaben. Die Arbeitsagentur Trier sieht auch darin einen Grund, dass die Zahl der Langzeitarbeitslosen in der Region von Juni 2015 bis 2017 um 261 Menschen zurückgegangen sei. Das Programm läuft aber bald aus, Anmeldungen sind nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums nur noch bis Ende des Jahres möglich. Aus Trier heißt es, man warte auf ein Zeichen aus Berlin, dass ein ähnliches Konzept nachfolge.

Zahlen in der Region bessern sich leicht
Nach Angaben der Arbeitsagentur Region konnten in diesem Jahr bislang 381 Betroffene in den ersten Arbeitsmarkt eingebunden werden, wo es im Jahr zuvor 369 waren. Insgesamt sind in der Region 10<VG>172 Menschen auf Jobsuche.

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