Leben retten im Takt

Warum es bei Herzstillstand auf jede Sekunde ankommt.

Trier Der Titel des Liedes ist passend: Stayin' Alive - Am Leben bleiben. Der Rhythmus des Bee-Gees-Klassikers aus dem 1970-er-Jahre-Film Saturday Night Fever kann tatsächlich Leben retten. Denn er gibt genau den Takt vor, der notwendig ist bei einer Herzdruckmassage. In Studien hat sich gezeigt, dass mit der Frequenz von 100 bis 120 Druckbewegungen pro Minute oder etwa zweimal pro Sekunde der beste Blutfluss durch das nicht mehr pumpende Herz eines Bewusstlosen erreicht werden kann. Durch den Blutfluss wird wieder Sauerstoff zum Gehirn gepumpt. Bei Stayin' Alive liegt die Frequenz bei rund 100 Schlägen pro Minute.
Viele Menschen haben jedoch Angst, bei einer Herzdruckmassage etwas falsch zu machen, den Betroffenen durch zu großen Druck auf den Brustkorb zu verletzen. "Jeder kann helfen und man kann nichts falsch machen. Garantiert falsch wäre es aber, nicht zu helfen", sagt Karl Eugen Hauptmann, Chefarzt für Innere Medizin im Trie rer Brüderkrankenhaus. Die Helferquote, also der Anteil der Menschen, die bei einem Herzstillstand in der Lage sind zu helfen, liegt nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin bei 37 Prozent. In Dänemark sei sie doppelt so hoch, weil dort in Schulen Grundlagen der Wiederbelebung vermittelt würden. Der Anteil der Menschen, die in dem Land einen Herzstillstand überlebten, habe sich von 3,9 Prozent im Jahr 2011 auf 12,7 Prozent in 2014 erhöht.
Nach Angaben der Deutschen Herzstiftung führt ein solcher medizinischer Notfall in nur wenigen Minuten zum Tod, wenn nicht sofort mit der Wiederbelebung durch Herzdruckmassage begonnen und die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsteams überbrückt wird. Selbst wenn die Rettungskräfte wie vorgeschrieben innerhalb von zehn Minuten eintreffen, kann das zu spät sein für den Betroffenen. Denn mit jeder Minute, in der das Herz nicht schlägt, wird das Gehirn wegen fehlenden Sauerstoffs geschädigt. Pro Minute ohne Wiederbelebungsmaßnahmen sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit um zehn Prozent. "Sekunden entscheiden", sagt daher der Präsident der Landesärztekammer, Günther Matheis.
Ärzte und Rettungsdienste fordern daher schon seit längerem, dass grundlegende Kenntnisse in Reanimation möglichst vielen Menschen vermittelt werden müssen. Im Landesrettungsdienstplan, der die Organisation des Rettungsdienstes in Rheinland-Pfalz organisiert, heißt es dazu: "Zur Sicherstellung von lebensrettenden Sofort- und Erste-Hilfe-Maßnahmen ist die Breitenausbildung der Bevölkerung erforderlich." Und weiter: "Idealerweise könnte dies bereits in den Kindertagesstätten und in den Schulen durch sich regelmäßig wiederholende Kurse geschehen." Das rheinland-pfälzische DRK hat seit Jahren ein entsprechendes Programm. Mitarbeiter des Rettungsdienstes gehen in Kindergärten und zu Schulsanitätsdiensten und geben Tipps für Notfälle. Auch Ärzte und Pfleger des Brüderkrankenhauses gehen in Schulen und unterrichten Wiederbelebung. Die Initiative ist Teil der im vergangenen Jahr von dem Krankenhaus gestarteten Kampagne Hand aufs Herz - Trier rettet Leben. Ärzte informieren bei Aktionstagen und Schulungen, worauf es bei Wiederbelebung ankommt und was zum Beispiel bei einer Herzdruckmassage zu beachten ist.
Extra: HERZDRUCKMASSAGE


Wenn eine Person bewusstlos zusammenbricht, sind drei Dinge wichtig: Prüfen: Die Person sollte angesprochen und an den Schultern geschüttelt werden. Rufen: Umgehend sollte der Notruf 112 angerufen werden. Drücken: Für die Herzdruckmassage sollte der Brustkorb freigemacht werden. Um den Druck zu verstärken, sollte der Ballen der anderen Hand darübergelegt werden. Mit dem Handballen sollte auf die Brustmitte gedrückt werden, 100 bis 120 Mal pro Minute. Ein Video, wie man Herzdruckmassage lernen kann, finden Sie unter https:// <%LINK auto="true" href="http://www.herzstiftung.de/herzdruckmassage-in-55-sek-lernen" text="www.herzstiftung.de/herzdruckmassage-in-55-sek-lernen" class="more"%>