| 09:58 Uhr

Lehrer schlagen Alarm: Viele Schüler sind nicht mehr zu bändigen

FOTO: Julian Stratenschulte
Trier. Kampf gegen Störer im Unterricht: Eltern, Schüler und Lehrer wollen gemeinsam dafür sorgen, dass weniger Unterricht durch Unruhe ausfällt. Psychologen sehen als Grund für zunehmende Unkonzentriertheit die Reizüberflutung der Kinder. Bernd Wientjes

Es ist laut. Richtig laut. Die Pause ist längst vorbei. Trotzdem ist keine Ruhe im Klassenzimmer eingekehrt. Obwohl die Lehrerin längst vor den Schülern steht, wird weiter geredet. Ein Mädchen spielt mit ihrem Handy. Jedes Mal, wenn ein Schüler eine Frage der Lehrerin beantwortet, führt das zu Kommentaren, Gelächter, Unruhe.

Kein Einzelfall. Der Landesverband der Realschullehrer (VDR) schlägt Alarm: Unruhige, verhaltensauffällige Kinder gefährden zunehmend den Lernerfolg ihrer Mitschüler. "Wir können uns nicht länger leisten, dass wertvolle Unterrichtszeit zu häufig durch permanentes Konfliktschlichten und Ermahnen verloren geht", warnt VDR-SprecherWolfgang Häring. Wenn das nur fünf Minuten jeder Unterrichtsstunde beträfe, fielen damit elf Prozent des Unterrichts aus. Unkonzentrierte Kinder sind nicht nur ein Phänomen der Realschulen, auch Gesamtschulen und Gymnasien kämpfen gegen das Problem. Die Unruhe im Klassenzimmer habe zugenommen, bestätigt auch Anette Müller-Bungert vom Schulpsychologischen Beratungszentrum Trier. Viele Schüler verhielten sich respektlos gegenüber Lehrern, seien nicht bereit, Anweisungen von Erwachsenen zu befolgen. Genau wie Alexander Marcus, Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Trierer Klinikum Mutterhaus, sieht auch die Schulpsychologin in der Reizüberflutung der Kinder durch Computer, Handys und Fernsehen einen Grund für die Unruhe. "Die Kinder sind überfordert durch die Überflutung mit Reizen", sagt Marcus. Und häufig fehlten Kindern auch klare Strukturen und Regeln, weil ihnen diese zu Hause nicht mehr vermittelt würden, sagt Müller-Bungert.
Genau da will der Landeselternbeirat, der die Interessen der Schuleltern vertritt, ansetzen. Landeselternsprecher Rudolf Merod aus Trier kündigt an, eine Erziehungsoffensive zu starten. Lehrer, Eltern, Schüler und Vertreter des Bildungsministeriums sollen gemeinsam beraten, wie das Problem beseitigt werden kann. Es könne nicht sein, dass über die Hälfte der Lehrer nicht mit dem Unterricht zufrieden sei, sagt Merod. Ziel müsse es sein, dass sich Schüler und Lehrer in der Schule wohlfühlen.