Leistung statt Sitzfleisch

In Zeiten der Verunsicherung sucht man sich gerne einen Sündenbock. Beamtete Staatsdiener mit dem Privileg des sicheren Arbeitsplatzes eignen sich dafür besonders gut. Wer die Melodie vom "faulen Beamten" anstimmt, sollte sich allerdings auch an die mitleidigen Blicke erinnern, die noch vor wenigen Jahren erntete, wer freiwillig in den Staatsdienst ging. In der Boom-Euphorie galt der Job des Obersekretärs, Amtmanns oder Regierungsrats als Refugium für Anspruchslose, die sich mit weit geringeren Gehältern und Aufstiegsmöglichkeiten als in der "freien Wirtschaft" oder am Neuen Markt zufrieden gaben. An der vergleichsweise bescheidenen Bezahlung hat sich nichts geändert, wie jeder feststellen kann, der Gehaltstabellen vergleicht. Aber der Wert des sicheren Arbeitsplatzes ist im öffentlichen Bewusstsein gestiegen - und das kann man schwerlich den Beamten vorwerfen. Dass im öffentlichen Dienst häufig die Trägheit der Masse regiert, ist freilich auch nicht wegzudiskutieren. Das liegt nicht an den Menschen - unter Beamten gibt es genau so viele Faule und Fleißige wie in anderen Gruppen auch. Aber es hat mit demSystem zu tun, das es nicht erlaubt, gute Arbeit zu belohnen und schlechte zu sanktionieren. Befördert wird oft nach Aktenlage und Anciennität, beurteilt nach zentralistischen, starren Punktesystemen. Mehr Geld gibt's automatisch für mehr Dienstjahre. Weil man niemandem ans Leder kann, der einfach nur schlecht arbeitet, verspüren Vorgesetzte oft wenig Lust zum Konflikt. Und wo sie es wagen, fahren ihnen häufig machtvolle Personalräte in die Parade, die alles im Sinn haben, nur nicht die Zufriedenheit des Behörden-Kunden. Quereinsteiger sind unerwünscht, Talentförderung scheitert auf dem formalen Dienstweg. Jeder Verwaltungschef singt ein Lied davon - nur nicht so gern in der Öffentlichkeit. Dass ausgerechnet der Beamtenbund nun runter will von den ausgetretenen Pfaden, ist ein ermutigendes Zeichen. Leistung statt Sitzfleisch als Kriterium für die Bezahlung: Das würde frischen Wind in die Amtsstuben bringen. Hoffentlich werden die guten Ansätze der Interessenvertretung nicht von einem Gegen-Sturm der Entrüstung bei den Betroffenen hinweg gefegt. d.lintz@volksfreund.de