Lewentz präsentiert sich als Kandidat mit Teamgeist

Lewentz präsentiert sich als Kandidat mit Teamgeist

Großer Empfang in der pulsierenden ruandischen Hauptstadt Kigali: Minister, Gouverneure, Bürgermeister sind da. Für Innenminister Roger Lewentz (SPD), den Leiter einer rheinland-pfälzischen Delegation, bietet sich die günstige Gelegenheit, in die Rolle des Staatsmanns zu schlüpfen - auf dem Weg in eine mögliche Nachfolge von Ministerpräsident Kurt Beck das richtige Parkett.

Kigali/Mainz. Solche Auftritte sind dankbar, sichern gute Bilder und gute Presse. Doch Lewentz geht nicht selbst zum Rednerpult. Er überlässt seiner Kabinettskollegin, Sozial- und Gesundheitsministerin Malu Dreyer (SPD), den Vortritt. Die Szene hat etwas Exemplarisches: Roger Lewentz präsentiert sich in Ruanda als Teamspieler. Er führt, ohne sich allzu sehr in den Vordergrund zu drängen. Eintracht statt Ego? Ist das Lewentz\' Erfolgsgeheimnis im Rennen um die Nachfolge des Ministerpräsidenten Kurt Beck?
Freilich, der politische Wettkampf um den Posten des künftigen rheinland-pfälzischen Regierungschefs wird nicht im 7000 Kilometer entfernten Ruanda entschieden. Neben Lewentz hat bekanntlich SPD-Fraktionschef Hendrik Hering gute Chancen, irgendwann im Laufe dieser Legislaturperiode in die Staatskanzlei einzuziehen. Denn bei den Sozialdemokraten ist es ein offenes Geheimnis, dass Kurt Beck nicht bis 2016 im Amt bleibt.
Der frühere Wirtschaftsminister Hering ist ein gewiefter Stratege. Zudem gilt der Jurist als analytischer Kopf. Bäckersohn Lewentz hat nicht mal Abitur - woraus er keinen Hehl macht.

In der oppositionellen CDU hofft man dennoch darauf, dass Hering das Rennen um die Beck-Nachfolge macht und 2016 gegen Partei- und Fraktionschefin Julia Klöckner in die Wahlschlacht zieht. Der Westerwälder zeigt als Fraktionschef zwar inzwischen mehr Angriffslust. Dennoch wirkt er insgesamt eher introvertiert, hat Schwächen in der Außenwirkung. Das bietet der eloquenten Christdemokratin Klöckner eine Menge Angriffspunkte im direkten Schlagabtausch.
Der Sozialdemokrat aus Kamp-Bornhofen hingegen fühlt sich unter Menschen wohl, agiert beredt und gewinnend - ein Politiker zum Anfassen. "Lewentz ist für uns der unbequemere Gegner", meint ein Christdemokrat während der Ruanda-Reise. "Er kommt gut bei den Leuten an", sagt ein anderer. "Wenn er antritt, haben wir es schwer." Denn Lewentz hat nicht nur Charme, er kann auch knallhart sein, heißt es in Mainz. Seit sich das Kandidatenfeld auf zwei Personen reduziert hat, steht er unter besonderer Beobachtung. Das weiß er. Lewentz lässt sich dennoch nichts anmerken. Er genießt es in Ruanda, weg vom Tagesgeschäft in Mainz zu sein. Seit seiner Amtseinführung am 18. Mai ist er eigentlich immer am Arbeiten. Ein Termin folgt auf den nächsten - und abends warten die Aktenberge. Vor allem die, die zu den neuen Infrastrukturabteilungen seines Ministeriums gehören.
Nürburgring, Flughafen Hahn, Hochmoselübergang, Mittelrheinbrücke, Straßenprojekte - nahezu alles, was inner- und außerhalb der rot-grünen Landesregierung für Zündstoff sorgt, gehört zum Superministerium von Roger Lewentz. Der ehrgeizige SPD-Politiker ist zu einer Art Bad-Bank-Minister mutiert. Darin liegt ein gewaltiges politisches Risiko.
Doch Lewentz vermittelt in Ruanda den Eindruck, dass er seinen gewachsenen Verantwortungsbereich mehr als Herausforderung denn als Last empfindet. Ein Stresstest für das Amt des Ministerpräsidenten?
Die Rückendeckung von seiner Familie scheint für Lewentz gesichert. In Afrika begleitet ihn seine attraktive Ehefrau Lene, eine gebürtige Dänin, mit der er vier Kinder hat. Lewentz ist bekannt dafür, dass er seine Familie konsequent fern von der Politik hält. Für eine First Lady würden solche Regeln nicht mehr gelten. Schreckt das seine Ehefrau?
Ihr Mann setzt auf Konsens: Lewentz gibt sich in Ruanda Mühe, auch die Delegationsmitglieder von der politischen Konkurrenz zur Geltung kommen zu lassen. "Das läuft absolut korrekt", sagt ein CDU-Mann, "man merkt, dass ihm die Zeit in Ruanda Spaß macht."

Für rheinland-pfälzische Politiker sind die Reisen ins Partnerland beliebte Heimspiele. Selten werden sie so bejubelt, so wenig infrage gestellt wie hier. Die Ruander sind zutiefst dankbar für jede Hilfe. Auch frühere Innenminister wie Walter Zuber und Karl Peter Bruch haben die Partnerschaftsbesuche als Kraftquelle empfunden. Ihnen allen war Ruanda zugleich ein Herzensanliegen. Wer Roger Lewentz mit bunt gewandeten Afrikanerinnen hat tanzen sehen, weiß, dass auch er längst dem Charme des Schwarzen Kontinents erlegen ist. Auf der Reise - seiner fünften ins Partnerland - gibt sich Lewentz unkompliziert, fliegt Holzklasse wie alle anderen, schleppt seine Tasche selbst, reklamiert kaum Sonderrechte. Wo immer es sich anbietet, lobt er seine Mitarbeiter. "Wenn es das Büro nicht gäbe, müsste man es erfinden", sagt er zu den Angestellten des Partnerschaftsbüros in Kigali - und lächelt mit seinem typischen Lewentz-Lächeln. In Ruanda hat er sowieso schon längst die nächste Stufe der Karriereleiter erklommen. Ein Schülersprecher auf dem Land begrüßt ihn schon mal euphorisch als "Innenminister von Deutschland".