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Linke legt sich auf Spitzenduo fest

Berlin. Die beiden Fraktionsvorsitzenden Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch gehen als Spitzenkandidaten der Linken für die kommende Bundestagswahl ins Rennen. Darauf hat sich die Parteiführung nach langem internen Streit am Sonntag geeinigt. Stefan Vetter

Berlin. Vielleicht war die Mahnung von Gregor Gysi ja doch ganz hilfreich. Der vormalige Fraktionschef der Linken, und immer noch ein bisschen ihre Gallionsfigur, hatte erst vor ein paar Tagen an seine beiden Nachfolger Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch gehen und das Vorsitzenden-Duo Katja Kipping und Bernd Riexinger appelliert, sich bei der Kandidatenfindung endlich zusammenzuraufen. "Da sie unterschiedlicher Meinung sind", so Gysi, "muss jede und jeder nachgeben". Das ist nun offenkundig geschehen. Schon im Sommer hatten Wagenknecht und Bartsch die Spitzenkandidatur intern für sich allein reklamiert. Das stieß nicht nur auf Begeisterung. Insbesondere Katja Kipping hält sich genauso für spitzentauglich. Deshalb hätte sie lieber ein Spitzenquartett der Partei- und Fraktionschefs gehabt. Als Kompromiss wurde am Sonntag festgelegt, dass die vier Partei- und Fraktionschefs den Wahlkampf gemeinsam als "Spitzenteam" organisieren. Von einer "gesichtswahrenden Lösung" für Kipping war die Rede.
Die Vorsitzende und Wagenknecht sind sich in herzlicher Abneigung verbunden. Kipping hatte die Frontfrau der ganz linken Linken vor ein paar Monaten sogar in die Nähe der AfD gerückt. Auslöser waren Äußerungen Wagenknechts in der Flüchtlingsdebatte ("Grenzen der Aufnahmebereitschaft") gewesen, die zur offiziellen Parteilinie ungefähr so passen wie ein Schneemann in den Hochsommer.Bundestagswahl 2017


Wagenknecht ist neben Gysi zweifellos das bekannteste Gesicht der Linken. In den Talkshows zählt die 47-jährige Frau mit den markant hochgesteckten Haaren mittlerweile zum personellen Inventar. Die Antikapitalismus-Thesen der früheren Frontfrau der "Kommunistischen Plattform" bringen jeden Linken-Parteitag in Verzückung. "Da wären wir doch mit Klammersack gepudert, so ein Zugpferd nicht im Wahlkampf besonders herauszustellen", hieß es in der Fraktion. Dietmar Bartsch wiederum zählt zu den Super-Realos der Partei. Der 58jährige Nordostdeutsche war schon Bundesgeschäftsführer und Wahlkampfmanager, als die Linke noch PDS hieß. Er gilt als politischer Macher. Bei der Wahl des ungleichen Duos in den Fraktionsvorsitz vor gut einem Jahr herrschte noch Skepsis, ob die beiden den linken Laden aus eigentlich zwei tief verfeindeten Flügeln zusammenhalten könnten. Doch der große Krach ist bislang ausgeblieben. Wagenknecht und Bartsch pflegen zwar kein freundschaftliches Verhältnis. Flügelüberreifend wird ihnen aber eine professionelle und vertrauensvolle Zusammenarbeit bescheinigt ("Die bescheißen sich nicht").
Reibungen im Wahlkampf dürften trotzdem programmiert sein. Während Bartsch am Regierungswillen seiner Partei keinen Zweifel lässt, so es denn im Herbst 2017 rechnerisch für Rot-Rot-Grün reicht, sendet Wagenknecht hier zwiespältige Signale aus. Der SPD wirft sie regelmäßig Verrat an den sozialdemokratischen Idealen vor. Ihr Credo: Nur wenn sich die "Grundrichtung der Politik" ändere, sei die Linke zum Mitregieren bereit.
Gegenwärtig regiert die Linke in Brandenburg und Thüringen in einer rot-roten beziehungsweise rot-rot-grünen Koalition mit. In Erfurt stellt sie mit Bodo Ramelow sogar den Ministerpräsidenten. Im Westen gilt die Linke eher als politischer Außenseiter. Dort ist sie in vier von neun Landesparlamenten vertreten, nämlich in Hamburg, Bremen, dem Saarland sowie in Hessen.