Linke setzt aufs Thema soziale Gerechtigkeit

Linke setzt aufs Thema soziale Gerechtigkeit

Ein-Euro-Jobs abschaffen und das Schulsystem grundlegend reformieren - das fordert Wolfgang Ferner, seit knapp zwei Wochen neuer Landesvorsitzender der Linken. Der Eifeler muss Parteistrukturen aufbauen und den Wahlkampf organisieren.

Mainz/Rommersheim. Erst rot, dann grün, nun dunkelrot: Der in Rommersheim bei Prüm lebende 58-jährige Wolfgang Ferner, Anwalt für Straf- und Verkehrsrecht, war zu Beginn seiner politischen Aktivitäten SPD-Mitglied. Später half er den Grünen in Baden-Württemberg.

Als 2005 die Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG) gegründet wurde, aus der 2007 die Linke wurde, fand Ferner eine neue Heimat. Derzeit erreichen die Linken in Umfragen fünf Prozent, die bei der Wahl am 27. März zum erstmaligen Einzug in den Landtag reichen würden.

Der TV hat Wolfgang Ferner gebeten, einige Aussagen aus seiner Sicht zu vervollständigen:

Die monatelangen Personalstreitigkeiten bei den Linken sind für die Wähler …

Wolfgang Ferner: … nicht interessant. Seit der Wahl des neuen Vorstandes stehen die Sachthemen im Vordergrund. Mit großer Energie wird am Landtagswahlprogramm gearbeitet, und daran werden die Bürger uns messen.

Die zentralen Botschaften der Linken für die Wahl lauten …

Ferner: ... Rheinland-Pfalz braucht mehr gute, sichere Arbeitsplätze. Ein-Euro-Jobs gehören abgeschafft, und die Verfassung muss endlich verwirklicht werden: "Die Beschäftigten müssen von ihrem Arbeitslohn sich und ihre Familien ernähren können." Wir brauchen mehr Bürgerbeteiligung und eine Demokratisierung des Arbeitslebens. Rheinland-Pfalz braucht auch eine umfassende Reform des Schulwesens, das heißt, wir brauchen ein gemeinsames Lernen aller Kinder in einer Schule bis zum 10. Schuljahr. Außerdem brauchen wir endlich auch eine umfassende Lernmittelfreiheit. Das Mietsystem für Schulbücher gehört abgeschafft, es benachteiligt wieder zahlreiche Schüler.

Die Linken können die Fünf-Prozent-Hürde zum Einzug in den Landtag meistern, weil …

Ferner: … die Wähler wissen, dass die Themen soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit ständig auf die Tagesordnung gehören. Es ist eine Schande, dass der Kreis Bitburg-Prüm nach dem "Gender-Index" bundesweit an letzter Stelle rangiert. Das heißt, die Chancen für berufstätige Frauen sind hier am schlechtesten, Unterschiede in Entlohnung und bei Entwicklungsmöglichkeiten zwischen Frauen und Männern am größten.

Wolfgang Ferner ist Landesvorsitzender der Linken geworden, damit er …

Ferner: … den Parteibildungsprozess der Linken beeinflussen und eine Konzentration der Partei auf Sachthemen von Seiten des Vorstands vorantreiben kann. Die Linke besteht erst seit drei Jahren. Gerade in Rheinland-Pfalz kann die Partei, die etwa 2000 Mitglieder hat, auf keine große Tradition zurückblicken. Von daher gibt es umfangreiche organisatorische Aufgaben. Wir haben seit Herbst 2009 etwa 80 kommunale Mandatsträger, deren Arbeit gilt es zu koordinieren. Zudem gilt es, einen erfolgreichen Wahlkampf zu organisieren.

Im Kampf um das Direktmandat im Eifelkreis Bitburg-Prüm rechnet sich Wolfgang Ferner Chancen aus, denn die Favoriten Michael Billen (CDU) und Monika Fink (SPD) …

Ferner: … vernachlässigen das soziale Thema. Auch für die Eifel ist die Einführung eines "Sozialtickets" von großer Bedeutung. Auch im Eifelkreis besteht ein großes soziales Ungleichgewicht und viel verdeckte Armut. Hier haben die anderen Parteien bislang versagt. Die Wähler wissen, dass die Linke vor Ort die einzige Alternative ist, die für sozialen Ausgleich steht.

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