Lücke wird geschlossen

Freie Fahrt für das größte Verkehrs-Einzelprojekt in Rheinland-Pfalz : 270 Millionen Euro aus Bundes- und Landesmitteln fließen zur Finanzierung der B 50 neu zwischen Platten und Longkamp mit dem Zubringer Erden/Lösnich sowie dem Hochmosel-Übergang.

Mainz. Der lang ersehnte und seit Jahren geplante Lückenschluss zwischen dem Autobahndreieck bei Wittlich und der Hunsrückhöhenstraße, also der Verkehrsverbindung von Ost nach West, nimmt konkrete Formen an. Der Anschluss des Rhein-Main-Gebietes und des Flughafens Hahn an den belgischen und niederländischen Raum mit den Häfen Antwerpen, Amsterdam und Rotterdam soll bis zum Jahr 2016 hergestellt sein. Nachdem mit vorbereitenden Rodungsarbeiten begonnen worden ist, soll im kommenden Jahr Baubeginn sein.

Der Bund stellt aus Haushaltsmitteln und Maut-Mehreinnahmen 250 Millionen Euro zur Verfügung. Das Land bezuschusst das Projekt mit weiteren 20 Millionen Euro. Das verkündeten am Dienstag in Mainz Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee, Ministerpräsident Kurt Beck und Landesverkehrsminister Hendrik Hering (alle SPD).

Neben dem Straßenbau und der 158 Meter hohen und 1702 Meter langen Hochmoselbrücke bei Ürzig (Kreis Bernkastel-Wittlich), die allein rund 108 Millionen Euro kosten soll, sind ein Tunnel sowie weitere größere und kleinere Bauwerke vorgesehen.

Ministerpräsident Kurt Beck bezeichnete das Vorhaben "als eines der wichtigsten Verkehrsprojekte bundesweit". Es handele sich "nicht nur um einen Sahneklecks, sondern gleich um einen ganzen Kuchen für das Land". Rheinland-Pfalz werde damit verkehrstechnisch in die Mitte Deutschlands und in den Westen Europas eingebunden. Der Flughafen Hahn, vor allem dessen Cargo-Bereich, werde stark profitieren. Beck erwartet auch "eine deutliche Entlastung des Moseltals vom Schwerlastverkehr".

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee sprach von einem "herausragenden Vorhaben in der Europäischen Union". Nach mehrmonatigen Gesprächen und der "sehr guten Planung des Landes" sei es gelungen, die Finanzierung sicherzustellen. Das sei vor allem dem Bundesrat zu verdanken, der eine Erhöhung der LKW-Mautgebühren beschlossen habe. "Wir haben dadurch im Verkehrsetat eine Milliarde Euro mehr zur Verfügung", sagte Tiefensee. Ein erheblicher Teil davon werde nun für den Hochmosel-Übergang verwendet. Die Investitionen dienten in erster Linie dazu, Arbeitsplätze zu sichern. "Wir investieren schnell, zielgenau und nachhaltig." Das regionale Bauhandwerk könne sich freuen.

Landesverkehrsminister Hendrik Hering hob "die strategisch herausragende Bedeutung des Projektes" hervor. Die Wirtschaftsstandorte in der Eifel, im Trierer Raum und im Hunsrück würden massiv aufgewertet. Heide Weidemann, stellvertretende Landesvorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz, zeigt sich verärgert. "Wir haben vor einer Woche dem Bundesverkehrsminister ein Dringlichkeitsschreiben übergeben. Darauf gab es keine Reaktion. Das ist unverständlich." Im Übrigen müsse noch der Bundesverkehrswegeplan geändert werden, wozu der Bundestag gefragt werden müsse.

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