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Luxair-Chefs geben sich ahnungslos

Luxair-Chefs geben sich ahnungslos

Zwei ehemalige Chefs der Fluggesellschaft Luxair haben gestern im Prozess um den Absturz einer Propellermaschine vor neun Jahren ausgesagt. Von versteckten Mängeln an der Unglücksmaschine wollen sie nichts gewusst haben.

Luxemburg. Wer in diesen Tagen als Gerichtsberichterstatter von Trier über die Autobahn nach Luxemburg-Stadt und dann in der Nähe des Flughafens durch dichten Nebel fährt, fühlt sich unweigerlich an den 6. November 2002 erinnert. Den Tag, über den seit vier Wochen vor der Kriminalkammer des Luxemburger Bezirksgerichts verhandelt wird. Bei ähnlichem Wetter wie gestern ist damals morgens gegen zehn Uhr eine Propellermaschine vom Typ Fokker 50 in der Nähe der Autobahn unweit des Flughafens abgestürzt. 20 Menschen verloren dabei ihr Leben.
Bislang steht fest, dass der damals 26 Jahre alte Pilot den entscheidenden Fehler gemacht hat. Er hat - vermutlich um die Geschwindigkeit der aus Berlin kommenden Maschine zu drosseln - die Schubumkehrhebel nach hinten gezogen und damit die Propeller in Landestellung gebracht. Was er wohl auf anderen Flügen auch schon praktiziert hat. Dieses Mal aber wird das Flugzeug manövrierunfähig und stürzt ab.
Gestern, am 19. Prozesstag, fehlt der Pilot bei der Verhandlung, sein Anwalt entschuldigt ihn.
Gleich zu Beginn des Verfahrens ist deutlich geworden, dass der Flugzeughersteller bereits 1994 und danach noch mehrmals seine Kunden, darunter auch Luxair, darauf hingewiesen hat, dass es möglich ist, während des Fluges den Hebel in die Stellung zu bewegen, die eigentlich nur in der Landeposition erlaubt ist. 1998 soll Fokker in einem Service-Schreiben sogar davon gesprochen haben, dass dieser versteckte Mangel "jederzeit" dazu führen kann, dass ein Flugzeug manövrierunfähig wird. Damit habe der Hersteller quasi die Katastrophe angekündigt, meint der Vorsitzende Richter Prosper Klein, als er gestern vom damaligen Luxair-Chef Christian Heinzmann wissen will, ob dieser von den Hinweisen gewusst habe. "Nein" sagt Heinzmann. Er habe erst nach dem Unglück davon erfahren - auch, dass es "große Probleme" gegeben habe. Der Ex-Luxair-Chef bestreitet, die von Fokker lediglich empfohlenen Änderungen an den Hebeln aus Kostengründen nicht umgesetzt zu haben. "Wir haben nie in puncto Sicherheit gespart", versichert der 2004 im Zuge der Ermittlungen nach dem Unglück entlassene Luxair-Chef. Man hätte das entsprechende Teil "ohne Weiteres" austauschen können, sagt er. Er könne sich nur wundern, warum keiner der zuständigen Abteilungsleiter, die von den Empfehlungen gewusst hätten, die Initiative ergriffen habe, um ihn zu informieren. Wenn er von dem Problem gewusst hätte, hätte er dessen Behebung veranlasst, sagt Heinzmann.
Bis zur Vorlage des Abschlussberichtes ein Jahr nach der Katastrophe habe er trotzdem an einen technischen Fehler als Ursache gedacht. Erst danach sei für ihn klar gewesen, dass der Pilot schuld sei. Er habe ihn daraufhin sofort entlassen - und mit ihm auch seinen Vater (damals Chefpilot) sowie drei verantwortliche Techniker. Allerdings hätten - mit Ausnahme des Piloten - die Entlassungen nichts mit einer etwaigen Schuld am Absturz zu tun. Vielmehr habe er zu den Männern kein Vertrauen mehr gehabt. Es habe sich "ein Staat im Staat entwickelt", sagt Heinzmann, der drei Jahre an der Spitze der Luxair gestanden hat. Seit seiner Anklage vor sieben Jahren habe er keinen Job in Europa mehr bekommen, sagt er. Er sei einige Zeit Chef von Fluglinien in Bangladesh und Albanien gewesen, seit einem Jahr "warte er ab" - sprich: Er ist arbeitslos.
Heinzmanns Vorgänger Jean-Donat Calmes gibt vor Gericht der renommierten französischen Inspektionsgesellschaft Veritas eine Mitschuld am Unglück. Das Unternehmen sei jahrelang für die Sicherheitsüberprüfung der Luxair-Maschinen zuständig gewesen, habe aber trotz der bekannten Fokker-Warnungen nicht auf ein mögliches Risiko hingewiesen. Ihm selbst sei nichts von den Service-Briefen von Fokker bekannt gewesen. Keiner habe bis zum 6. November 2002 die Sicherheit der Maschinen infrage gestellt.