Luxusschiff mit Krankenlager

Alarm in Trier: Ein mit mehreren mit dem Noro-Virus infizierten Reisenden besetztes Kreuzfahrtschiff legte gestern am Moselufer an. Mehrere Passagiere litten unter schweren Magen-Darm-Erkrankungen. Das Trierer Gesundheitsamt untersuchte die Betroffenen.

Trier. Seit Wochen hatten sich die 150 Reisenden schon auf die Kreuzfahrt (Kosten zwischen 760 und 1690 Euro) gefreut. Am Sonntag vergangene Woche ging es los: Die 110 Meter lange und zwei Jahre alte Swiss Tiara, ein Flaggschiff unter den Flusskreuzfahrtschiffen, legte in Straßburg ab, Kurs Richtung Trier über Rhein und Mosel.

Doch schon am ersten Tag erschienen einige der Passagiere nicht beim Essen. Sie blieben den ganzen Tag in ihren Kabinen. Ihnen war schlecht, sie hatten Durchfall, mussten sich übergeben. In den folgenden Tagen litten immer mehr Reisende unter den Symptomen, bis Ende der Woche waren es insgesamt 27. Sie erhielten von den Stewards an Bord elektro-lythaltige Getränke, um den Flüssigkeitsverlust durch den Durchfall auszugleichen.

Am Donnerstag wurde die Swiss Tiara in Cochem zunächst unter Quarantäne gestellt, keiner durfte von Bord. Das dortige Gesundheitsamt untersuchte die erkrankten Patienten. Verdacht: Noro-Viren.

Sie gelten als Hauptursache für Magen-Darm-Infektionen. Lebensgefährlich sind sie meistens nicht. Schützen kann man sich vor den Viren, die durch Hautkontakt übertragen werden, am besten durch gründliches Händewaschen. Die Stimmung an Bord sei trotzdem gut gewesen, berichteten Passagiere gestern. Die Erkrankten seien in ihren Kabinen geblieben, ansonsten sei alles normal gewesen, sagte eine Frau. Das 1800 PS starke Schiff setzte gestern seine Fahrt von der Untermosel zum Ziel in Trier fort. Dort waren Gesundheits- und Ordnungsamt bereits informiert. Als die Swiss Tiara gegen Mittag am Moselufer im Trierer Stadtteil Zurlauben anlegte, war die Anlegestelle abgesperrt. Harald Michels, Leiter des Trierer Gesundheitsamtes, ging zusammen mit drei weiteren Amtsärzten auf das Schiff und untersuchte die Erkrankten. Zusätzlich wurden zwei niedergelassene Ärzte hinzugerufen.

Zuvor hatte Michels das Trie-rer Brüderkrankenhaus informiert, das über eine Isolierstation für Infektionskrankheiten verfügt. Zu dem Zeitpunkt war noch nicht klar, in welchem Zustand die Betroffenen waren. Nach über eine Stunde gab Michels dann Entwarnung.

Schiff wird komplett desinfiziert

Vier Reisende litten am Mittag noch an Durchfall und mussten in ihren Kabinen bleiben. Die anderen Passagiere durften das Schiff verlassen, mussten sich aber am Ausgang mit einem Desinfektionsmittel die Hände waschen und sollten keinen Kontakt zu den Kranken haben. "Mir ging es einen Tag richtig schlecht. Heute Morgen habe ich erst mal einen Sekt getrunken, jetzt geht es wieder", sagte eine erkrankte Reisende. Es seien eindeutig Noro-Virus-Symptome, sagte Michels. Vermutlich wurde das Virus durch Reisende eingeschleppt. Alle Passagiere dürfen heute nach Hause fahren. Bevor um 17 Uhr die nächsten Passagiere an Bord kommen, wird das Schiff von einer Spezialfirma zusammen mit Experten der Trierer Berufsfeuerwehr desinfiziert.