Macht Glyphosat krank?

Die EU zögert mit der weiteren Zulassung des Pestizids. Die Bauern wollen es einsetzen.

Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat ist ein Zankapfel. Die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) fordert unabhängige Langzeitstudien. Dagegen werben Bauern dafür, das Mittel in Maßen dort zu nutzen, wo es sinnvoll sei. Es gilt als sehr wirksam und wird weltweit massenhaft eingesetzt, steht aber im Verdacht, Krebs zu erregen und die Umwelt zu belasten.

Die Zulassung in Europa läuft Ende 2017 ab - ohne sie müsste das Mittel vom Markt genommen werden. Ein Expertengremium der EU-Länder vertagte die Entscheidung am Mittwoch. Die Kommission will mit den Mitgliedstaaten eine Lösung suchen. Sie hatte den früheren Vorschlag einer Zulassung für zehn Jahre am Dienstag auf fünf bis sieben Jahre heruntergeschraubt. Das EU-Parlament fordert ein Verbot bis 2022. Michael Horper, Präsident des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau, hält das Herbizid jedoch für notwendig - "selektiv und vernünftig eingesetzt". Die Schadwirkung sei wissenschaftlich nicht bewiesen. "Wenn das Mittel uns einfach so entzogen wird, hätten wir ein Problem", sagt er. Und einen großen Wettbewerbsnachteil.

Höfken sagt: "Klar ist, dass das Ausmaß des Einsatzes schwerwiegende negative Auswirkungen auf die Biodiversität, die Umwelt und die Ökologie hat - und es verursacht das Tier- und Artensterben mit." Der Bundesrat habe sich auf Initiative von Rheinland-Pfalz 2013 für ein Verbot von Glyphosat in Gärten sowie des Einsatzes kurz vor der Ernte ausgesprochen. Auch Matthias Reimann aus Rascheid bei Hermeskeil vom Netzwerk blühende Landschaft macht Glyphosat für das Artensterben mitverantwortlich, weil es die Nahrungsgrundlage für Insekten und Vögel dezimiere. "Wenn sich in der Agrarpolitik nichts ändert, ist das Insektensterben in zehn Jahren abgeschlossen", fürchtet er und beklagt den Einfluss der Agrarlobby. Der BUND fordert ein Verbot.

Die Internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation stufte Glyphosat 2015 als "wahrscheinlich krebserregend" ein. Die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit und das Bundesinstitut für Risikobewertung sehen jedoch kein Risiko.