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Macht Israel die Drecksarbeit?

Macht Israel die Drecksarbeit?

WASHINGTON. Der Iran fordert mit seinen Atomplänen die USA heraus. Für den Fall einer militärischen Aktion gegen das islamische Land zeichnet sich bereits eine Kooperation zwischen Israel und Washington ab.

Einen Militärschlag gegen den Iran werde er grundsätzlich nicht ausschließen. Das war eine der zentralen Aussagen von US-Präsident George W. Bush in 2005. Gleichzeitig treten die diplomatischen Bemühungen der EU um eine Lösung des Atomstreits mit Teheran in den letzten Monaten auf der Stelle - begleitet von Aufsehen erregenden Aussagen des iranischen Präsidenten Machmud Ahmadinedschad, der nicht nur den Holocaust als "Mythos" bezeichnete, sondern auch Israel von der Landkarte tilgen oder zumindest nach Europa verlegen möchte. In Washington diskutiert man deshalb derzeit vor allem zwei Themen mit Blick auf das Jahr 2006: Wie deutlich werden die US-Truppenreduzierungen im Irak ausfallen, und wie wahrscheinlich ist es, dass es - sollten die Nukleargespräche scheitern - zu einem gewaltsamen Vorgehen gegen iranische Nuklear- und Militäranlagen kommt? In einer seiner zahlreichen Reden innerhalb der letzten acht Wochen betonte George W. Bush nochmals, man dürfe nicht zulassen, dass Iran in den Besitz einer Atombombe gelange. Aus militärtaktischer Sicht wäre ein Luftschlag gegen den Iran trotz des personalaufwändigen Engagements im Irak durchaus machbar, zumal für eine derartige Aktion vor allem Teile der derzeit im Irak kaum benötigte US-Bomberstaffeln sowie Marschflugkörper benötigt werden würden, die von Schiffen und U-Booten abgefeuert werden. Glaubt man einem Bericht des "New Yorker"-Magazins aus dem Januar 2005, sollen geheime US-Kommandogruppen bereits seit längerem im Iran unterwegs sein, um exakte Angriffsdaten zu ermitteln. Deshalb kann davon ausgegangen werden, dass es im Pentagon bereits ein konkretes Szenario für den "Tag X" gibt.Washington liefert bunkerbrechende Bomben

Streng gehütet werden dabei Informationen, in welchem Umfang die US-Planer dabei mit Israel kooperieren - dem Land, das sich nach den jüngsten antisemitischen Ausfällen des iranischen Präsidenten durch die nuklearen Ambitionen des Iran noch mehr gefährdet sehen müsste als die USA. Im Januar hatte US-Vizepräsident Dick Cheney erstmals explizit auf die Möglichkeit eines israelischen Militärschlags gegen iranische Atomanlagen hingewiesen - doch Israels Regierungschef Ariel Scharon schwächte dies damals umgehend als "Spekulation" ab und versicherte, sein Land plane keinen Angriff auf den Iran. Abseits von politischen Verlautbarungen und Dementis sprechen jedoch Fakten im Rüstungsbereich eine klarere Sprache: Nach Informationen dieser Zeitung ist zwischen dem US-Verteidigungsministerium und Israel die Lieferung von 500 bunkerbrechenden Sprengköpfen des BLU-109 (Kostenpreis pro Stück: rund 200 000 Euro) fest für 2006 vereinbart. Diese Bomben sind speziell dafür geeignet, tief im Erdreich liegenden Ziele auszuschalten und dabei auch bis zu zwei Meter dicke Betondecken zu durchdringen. Für die Bekämpfung palästinensischer Terroristen benötigt Israel diese Sprengsätze nicht - sie sind aber nach Ansicht von US-Militärexperten bestens geeignet, Teile der unterirdisch angelegten iranischen Atomforschungs-Stätten zu eliminieren oder zumindest schwer zu beschädigen. Dies könnte für den Fall, dass alle diplomatischen Optionen tatsächlich scheitern und Teheran die Uran-Anreicherung forciert, zu einer Arbeitsteilung führen: US-Militärexperten entwickeln die Angriffsplanung, die dann von der israelischen Luftwaffe mit Hilfe der aus den USA bezogenen Bunker-Bomben exekutiert wird. Außenpolitisch hätte dies für George W. Bush den Vorteil, dass er sich nicht von Kritikern einen weiteren "Angriffskrieg" während seiner Amtszeit vorhalten lassen muss, weil es - wie schon 1967 im Sechstage-Krieg - Israel wäre, dass sich gegen eine als akut empfundene massive Bedrohung seiner Existenz wehrt.