Marx zwischen den Stühlen

Bei Kirchens nichts Neues. Dass der Kölner Kardinal Joachim Meisner auf die Pauke haut, anderen Katholiken und prominenten Mitbrüdern öffentlich in die Parade fährt, passiert häufiger. Das war beim von Rom verordneten Ausstieg aus der Schwangeren-Konfliktberatung der Fall, bei der Gründung der katholischen Laieninitiative Donum Vitae und auch beim Ökumenischen Kirchentag in Berlin.

Der erzkonservative Meisner spielt am liebsten die Polarisierungskarte, sein prominentester Gegenspieler, der Mainzer Kardinal Lehmann, setzt dagegen auf Integration. Schwer zu sagen, wer in diesem schon Jahre währenden Tauziehen letztlich der Stärkere ist. Unter den deutschen Bischöfen haben jedenfalls beide ihre Anhänger. Und Triers Bischof Reinhard Marx? Er dürfte mit seinen Ansichten zwischen den Stühlen der beiden Streithähne sitzen: ein bisschen Lehmann, ein bisschen Meisner. Da ist vornehme Zurückhaltung schon allein aus taktischen Gründen die klügste Variante. Noch ist nämlich nicht absehbar, ob die deutschen Bischöfe mehrheitlich auf Köln-Kurs einschwenken oder die Mainzer Linie fahren. Der im Vergleich zu den anderen Bistumsoberhäuptern "jugendliche Shooting Star" Marx (Süddeutsche Zeitung) könnte so am Ende sogar von dem Kardinals-Knatsch profitieren und im kommenden Jahr als Kompromisskandidat den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz beerben. r.seydewitz@volksfreund.de