Mehr als nur ein Farbenspiel

Guido Westerwelle ist ein Genießer und bestimmt kein stiller. Er kostet die kleinen politischen Triumphe unüberhörbar aus und glaubt stets daran, dass die großen noch kommen werden. Ein solcher wäre das Scheitern von Schwarz-Rot.

Guido Westerwelle sieht diese Stunde nahen. Es wäre die Stunde, da die FDP wieder gebraucht wird. Wenn der FDP-Chef jetzt neue Farbkombinationen für Regierungskoalitionen in den Raum wirft - eine "Jamaika-Koalition" aus Union, FDP und Grünen oder eine "Ampel" aus SPD, FDP und Grünen - dann ist das ein Lehrstück guter Oppositionsarbeit. Die kleine FDP zeigt der von der großen Koalition enttäuschten Öffentlichkeit zum exakt richtigen Zeitpunkt, dass es Alternativen zum Berliner Gemurkse gibt. Das bringt auch manche an der Basis von SPD und Union ins Grübeln und erhöht insgesamt den Druck auf die Regierung Merkel. Westerwelles Vorstoß ist aber mehr als nur ein momentanes taktisches Manöver. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass nach einer neuen Wahl die Alternative lautet, entweder wieder große Koalition oder ein Dreierbündnis, ist sehr groß. FDP und Grüne, bisher in inniger Konkurrenz verbunden, sollten daher so langsam beginnen, alte Feindbilder abzubauen, um koalitionskompatibel zu werden. So wie Westerwelle aber auch jetzt wieder über die Grünen redet ("Hang zum Kollektivismus"), gibt es da bei ihm noch den meisten Nachholbedarf.

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